cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

20. Internationaler Filmhistorischer Kongress


22.11. - 24.11.2007, jeweils 9.30 - 16.30 Uhr
im Gästehaus der Universität (Rothenbaumchaussee 34)

21.11. (Eröffnung)    22.11.    23.11.    24.11.

Die vielfältigen Verbindungen zwischen dem deutschsprachigen und dem tschecho-slowakischen Film stehen im Mittelpunkt von CineFest 2007, dem von CineGraph, Hamburg, und Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, zusammen mit dem Narodní filmový archiv, Prag, und der Univerzita Karlova, Prag, veranstalteten IV. Internationalen Festival des deutschen Film-Erbes und dem damit verbundenen 20. Internationalen Filmhistorischen Kongress. Die deutsche, österreichische und tschechische Kultur sind in Mitteleuropa durch eine lange, spannungsvolle Geschichte miteinander verbunden. Zwei Weltkriege und ihre Folgen führten zu einschneidenden Veränderungen und bis heute nachwirkenden Irritationen. Die wechselhafte Entwicklung und die unterschiedlichen Facetten des prekären Verhältnisses spiegeln sich nirgendwo deutlicher als im Leitmedium Film. CineFest und Filmhistorischer Kongress verfolgen Star-Karrieren beiderseits der Grenzen, beleuchten Produktionsstrukturen und erforschen die Motivgeschichte des Films zwischen Berlin, Wien und Prag von den 1910er Jahren bis zur Gegenwart.

Im Fokus stehen u.a. die Zusammenarbeit von Filmschaffenden unterschiedlicher Nationalitäten in der Tschechoslowakei und der personelle Austausch mit Deutschland und Österreich. Dabei wird der Beitrag deutschsprachiger Literaten und Filmschaffender aus dem Prager Milieu wie Franz Kafka, Max Brod, Egon Erwin Kisch, Willy Haas oder Franz Schulz zur Filmproduktion dieser Länder ebenso ein Thema sein wie die wirtschaftlichen künstlerischen und politischen Motive, die tschechische Filmschaffende wie Anny Ondra (Ondráková), Karel/Carl Lamač, František Cáp oder Vojtěch Jasný dazu veranlassten, im deutschsprachigen Ausland zu arbeiten.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die wirtschaftlichen und institutionellen Verflechtungen zwischen den Ländern und ihre Auswirkungen auf die Filmproduktion. Hier ist nach den Motiven und Zielen deutsch-tschechoslowakischer und tschechisch-österreichischer Co-Produktionen in unterschiedlichen Epochen und politischen Systemen zu fragen – EIN MÄDEL VON DER REEPERBAHN / LIDÉ V BOURI (1930); JAHRGANG 21 / ROČNÍK 21 (1957) – sowie nach den Auswirkungen der kulturellen, sozialen und politischen Rivalität zwischen den Nationalitäten auf Produktion und Rezeption deutschsprachiger Filme bzw. deutsch-tschechischer Sprachversionen in der Tschechoslowakei wie Der K.U.K FELD-MARSCHALL (1930) oder DAS GÄSSCHEN ZUM PARADIES (1936). Ein wichtiger Themenkomplex beim Kongress ist die Filmproduktion im »Reichsprotektorat Böhmen und Mähren«, wobei neben dem organisatorischen Aufbau des Lenkungsapparates auch die inhaltliche Kontrolle der Filmherstellung und die Strategien tschechischer Filmschaffender zwischen Emigration und Kollaboration von Interesse sind.

Breiten Raum wird beim Kongress auch die Analyse und die Interpretation des Bildes einnehmen, das in den tschechoslowakischen bzw. deutschen und österreichischen Filmen vom anderen Land und den Menschen der anderen Nationalität gezeichnet wird. Dabei soll die Entstehung und Veränderung von Stereotypen, Klischees und thematischen Leitmotiven durch das 20. Jahrhundert verfolgt werden. So inspirierte der Mythos der Stadt Prag frühe deutsche Filme wie Der Student von Prag oder Der Golem. Filme wie NĚMÁ BARIKÁDA (1949), TRANSPORT Z RÁJE (1962), DER MÄDCHENKRIEG (1976/77), HILDE, DAS DIENSTMÄDCHEN (1985/86) und MUSÍME SI POMÁHAT (1999) zeugen dagegen von dem bis heute bestehenden Bedürfnis tschechischer und deutscher Regisseure, sich mit den Erfahrungen von Okkupation, Krieg und Vertreibung auseinanderzusetzen.

Der Kongress wird veranstaltet mit der Unterstützung des Adalbert Stifter Vereins, München.
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Programm (Änderungen vorbehalten)

Kongress-Programm als pdf-Download

21.11.    22.11.    23.11.    24.11.

[Die Referate werden simultan deutsch-tschechisch übersetzt]


Mittwoch, 21. November 2007
Kongress-Eröffnung
Metropolis-Kino (Dammtorstr. 30a)
19:00           


Johannes Roschlau eröffnet den 20. Internationalen Filmhistorischen Kongress

Eröffnungsfilm: Adelheid (CS 1969, František Vláčil), 99 min, OmeU
Einführung: Tereza Dvořáková, Prag.

Im Anschluss laden wir zu einem Umtrunk im Metropolis. Mit Unterstützung von Becherovka.


Becherovka-Empfang im Foyer des Metropolis

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Kongress im Gästehaus der Universität (Rothenbaumchaussee 34)

Donnerstag, 22. November 2007

09:15 Uhr
Begrüßung
09:30 – 12:30 Uhr
Panel 1: PRAG – BERLIN – WIEN
Peter Becher, München: Koexistenz und Konkurrenz – deutsche und tschechische Kultur in der Tschechoslowakei. Ein Überblick
Jan-Christopher Horak, Los Angeles: Anny und Schwejk: Die deutsche Rezeption des Prager Stummfilms
Gernot Heiss, Wien: Filmproduktion zwischen Prag und Wien bis 1938


Peter Becher


Jan-Christopher Horak

13:30 – 16:30 Uhr
Panel 2: TONFILM DEUTSCH-TSCHECHISCH
Petr Szczepanik, Brünn: Deutsche Elektrokonzerne und die tschechische Filmindustrie in den 1930er Jahren
Kevin Johnson, Seattle/Prag: Kulturelle Mischungen: Nation, Ort und Identität in den deutsch-tschechischen Sprachversionen
Horst Claus, Bristol: Die Ufa und der tschechische Markt 1927-1938 im Spiegel der Ufa-Vorstandsprotokolle


Petr Szczepanik


Kevin Johnson

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Freitag, 23. November 2007

09:15 – 12:30  Uhr
Panel 3: OKKUPATIONSKINO        
Tereza Dvořáková, Prag: Machtstrukturen in der Protektoratskinematografie
Petr Bednařík, Prag: Die Karriere des deutschen Filmfunktionärs Karl Schulz als Okkupationsgewinnler
Hans-Joachim Schlegel, Berlin: Otakar Vávra und G. W. Pabst in Barrandov 1942/43


Tereza Dvořáková, Ines Koeltzsch, Petr Bednařík und Hans-Joachim Schlegel

13:30 – 16:30 Uhr
Panel 4: KRIEGSERFAHRUNGEN
Petr Mareš, Prag: Tschechen und Deutsche in Fritz Langs HANGMEN ALSO DIE
Pavel Zeman, Prag: Sudetendeutsche und Vertreibung in tschechoslowakischen Filmwochenschauen und Dokumentarfilmen 1945-1948
Petr Koura, Prag: Die Entwicklung des Bildes der Deutschen im tschechoslowakischen Film nach 1945


Petr Mareš


Pavel Zeman

Metropolis-Kino
19:00 HILDE, DAS DIENSTMÄDCHEN (DDR 1985/86, Günther Rücker, Jürgen Brauer)
Vortrag: Elke Schieber, Potsdam: Geliebte und verlorene Heimat – Lust und Verantwortung zu erzählen, wie es war


Elke Schieber

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Samstag, 24. November 2007

09:15 – 12:30 Uhr
Panel 5: CO-PRODUKTIONEN
Ivan Klimeš, Prag: Co-Produktionen als Politikum. Zur Filmzusammenarbeit zwischen DDR und ČSSR nach 1969
Ralf Forster, Potsdam / Volker Petzold, Potsdam: Ungleiche Partner im Animationsfilm. Deutsch-tschechische Kooperationen am Beispiel der Serie Rübezahl (1974-84)
Helena Srubar, Linz: (West)deutsch-tschechische Co-Produktionen im Kinderfilm der 1970er und 1980er Jahre: Pan Tau und Co


Ivan Klimeš


Ralf Forster und Volker Petzold

13:30 – 15:30 Uhr
Panel 6: STILISTISCHE EINFLÜSSE
Thomas Ballhausen, Wien: Die Tücken der Objekte. Eine Notiz zu Jan Švankmajers in Österreich produzierten Filmen.
Rudolf Jürschik, Berlin: DEFA und Barrandov: Aspekte der ddr-deutsch – tschechischen Filmbeziehungen


Thomas Ballhausen


Rudolf Jürschik

15:30 – 16:30 Uhr
Abschlussdiskussion


Johannes Roschlau, Hans-Michael Bock und Karl Griep

Metropolis-Kino
21:00 MAMITSCHKA (BRD 1955, Rolf Thiele)
Vortrag: Stefan Zwicker, Mainz/Bonn: »Frommes Herz, entwurzelte Jugend« - Zur Darstellung einer sudetendeutschen Vertriebenenfamilie in Rolf Thieles MAMITSCHKA


Stefan Zwicker

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Weitere Informationen gibt's hier:

CineGraph e.V., Schillerstr. 43, 22767 Hamburg
Tel.: +49-(0)40-352194, Fax: +49-(0)40-345864
email: kongress@cinegraph.de
Kontakt: Johannes Roschlau, Erika Wottrich


Rückblick auf den 19. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 18. Internationalen Filmhistorischen Kongress

Rückblick auf die Kongresse 1989-2004

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