Nicht nur die großen Stars des Films im Dritten Reich, sondern auch eine Vielzahl von Nebendarstellern waren auf ein bestimmtes Rollenfach festgelegt. Da der Film der NS-Zeit vielfach gerade da, wo er sich unpolitisch gab, propagandistische Ziele zu erfüllen hatte, waren keineswegs nur die explizit vom Regime geförderten Schauspieler von dieser Schablonisierung betroffen. Wie zu allen anderen Zeiten drängte auch das Publikum seine Lieblinge geradezu in jene Ecke, in der sie es regelmäßig erwarten durfte. Zu diesem wiederkehrenden „Typecast“ gehört der Typus des schneidigen Offiziers in Propagandafilmen und Historienschinken ebenso wie die allzeit fröhlichen Kumpels, die ewige beste Freundin und die berechnende Verführerin. Aber auch Negativfiguren wie Schurken, Schieber und Kriegsgewinnler wurden immer wieder mit denselben Darstellern besetzt. Ein Teil von ihnen konnte das angestammte Rollenfach auch im Nachkriegsfilm ausfüllen, während andere aus den verschiedensten nicht nur politischen! Gründen sich entweder neuen Aufgaben zuwandten oder ganz von der Leinwand verschwanden. Die Annahme, dass einige der zugkräftigsten Filmstars der Vorkriegs- und Kriegszeit nach 1945 als veritables „Kassengift“ galten, lässt sich indes nur in den wenigsten Fällen aufrecht erhalten.