Vergangenheitsbewältigung und Umerziehung in Ost und West Remigranten werben um die akademische „Jugend“: Gustav von Wangenheims …und wieder 48! und Fritz Kortners Der Ruf
Zwei Remigranten kehren in der Nachkriegszeit nach Deutschland zurück, der eine aus der Sowjetunion, der andere aus den USA. Beide realisieren jeweils einen Film, der eine in der SBZ, der andere in der US-Zone. Beide Filme befassen sich mit der Lage und den Einstellungen der Studenten in den wiedereröffneten Universitäten. Ein Vergleich.
Gustav von Wangenheim (geb. 1895), Mitglied der KPD und Leiter der Agitprop-Theatergruppe „Truppe 31“, emigriert im März 1933 über Paris in die UdSSR. Seit 1940 sowjetischer Staatsbürger, kehrt er im Juni 1945 nach Berlin zurück, wird Mitglied der SED und Intendant des Deutschen Theaters. Zum Jubiläum der Revolution von 1848 inszeniert Wangenheim den DEFA-Spielfilm „…und wieder 48“ (1948) mit seiner Frau Inge in der Hauptrolle. Ein innerstudentischer Konflikt (Mediziner bzw. sog. „Ledermäntel“ vs. Historiker bzw. „Fortschrittliche“) um die Deutung der 1848er-Ereignisse gibt den Hintergrund einer Entwicklungsgeschichte, in deren Verlauf ein reaktionärer Mediziner „bekehrt“ und für die „Vollendung der 1848er-Revolution“ gewonnen wird. Erinnern und Begreifen, die Geschichte annehmen und daraus lernen so lautet Wangenheims Plädoyer, das im Geiste des antifaschistischen Realismus steht.
Fritz Kortner (geb. 1892), Schauspieler und Regisseur, ist als Jude bereits vor 1933 perfiden Angriffen der Nazis ausgesetzt und emigriert nach der „Machtergreifung“ über Wien und London in die USA. Seit 1947 US-Staatsbürger, gehört Kortner zu der Gruppe von Emigranten, die noch an ein „anderes, gutes Deutschland“ glaubt. Ende 1947 nach Berlin zurückgekehrt, um zu „fraternisieren“, stößt Kortner jedoch auch auf latenten Antisemitismus sowie Neid und Missgunst. Diese Erfahrungen werden Teil des Spielfilms „Der Ruf“ (1948/49, Idee und Drehbuch: Fritz Kortner, Regie: Josef von Baky). Kortner spielt darin einen Philosophieprofessor, der dem Ruf seiner Heimatuniversität folgt und dort mit der Rivalität eines Dozenten und der ungebrochenen Einstellung zahlreicher Studenten konfrontiert wird, die in der Forderung nach einem „zweiten Exodus“ gipfelt. Schonungslos gibt „Der Ruf“ dem damaligen Klima im universitären Milieu mustergültigen Ausdruck. Am Ende bleibt ein nur sehr vorsichtiger Optimismus, ob sich des Professors Hoffnung auf das platonische Konzept von der „Erlernbarkeit der Tugend“ in der Studentenschaft erfüllt...