Sich mit Frauenbildern im Spiel- und Dokumentarfilm des „Dritten Reiches“ auseinanderzusetzen, bedeutet, sich nicht nur mit dem Film als einem der „modernsten und weitreichendsten Mittel zur Beeinflussung der Massen“ (Joseph Goebbels, 1934) zu beschäftigen, sondern auch, wie Weiblichkeitsbilder propagandistisch eingesetzt wurden. Zum einen, um Frauen zu beeinflussen, zum anderen, um erwünschte gesellschaftliche Zustände, Rollen und Ideale einem breiten Publikum anhand von Geschlechterstereotypen vor Augen zu führen.
In vielen NS-Unterhaltungsfilmen stand vor Kriegsausbruch zunächst die thematische Behandlung der Geschlechterrollen im Mittelpunkt. Die Auseinandersetzung mit der hergebrachten Polarität der Geschlechter bot sich geradezu an, um bestimmte Ideologien und geschlechtsspezifische Rollenmuster im Film zu vermitteln. Die Frauendarstellung reduzierte die deutsche Frau in den meisten Filmen auf ihre Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter. Nach 1939 konnten die Zuschauer und Zuschauerinnen allerdings auch im Unterhaltungsfilm vermehrt berufstätige Frauen sehen. In Spielfilmen wie Das andere Ich (1941), Großstadtmelodie (1943), Die schwarze Robe (1943/44) oder Das Herz muß schweigen (1944) üben Frauen Berufe aus, die als typisch männliche Betätigungsfelder galten. Zudem wurden in zahlreichen Kulturfilmen und Wochenschauen während des Zweiten Weltkrieges Frauen in der Rüstungsindustrie oder beim Arbeitsdienst gezeigt. Kulturfilme wie Kriegseinsatz der Frau (1940), Wenn Mutter schafft (1941), Volk im Krieg (1942) oder Es geht um den Sieg (1943) zeigen, dass diese Filme zwar ein gelenktes, aber doch ein mehr an der Alltagswirklichkeit orientiertes Frauenbild präsentieren.
Der Vortrag möchte anhand ausgewählter Beispiele sowohl die modernen, als auch die eher traditionellen Frauenbilder im NS-Film der Kriegszeit behandeln und sich mit folgenden Fragen beschäftigen: Welche Frauen- bzw. Geschlechterrollen werden im Spielfilm, im Kulturfilm und in der Wochenschau entworfen? Wie wird das Verhältnis zwischen den Geschlechtern dargestellt? Inwiefern korrespondieren diese Darstellungen mit dem propagierten Frauenideal als Ehefrau und Mutter? In welchem Rahmen war eine Entfernung von diesem Ideal zulässig?