Sommer 1945: In den Trümmern Berlins konkurrieren zwei Jugendbanden um den Schwarzmarkt. Gelegentliche Raufereien sind an der Tagesordnung. Als ein Wanderzirkus in die Stadt kommt, sind alle Jungen bezaubert von der jungen Artistin Corona. Doch als sie Corona gegen den gemeinen Zirkusdirektor verteidigen wollen, stürzt das Mädchen durch die Schuld der Jungen ab und wird verletzt. Der Zirkus zieht weiter und lässt Corona allein zurück. Da raufen sich die Jugendlichen zusammen, nehmen das Mädchen bei sich auf, pflegen sie und stellen sogar einen kleinen Zirkus auf die Beine, um Corona aufzumuntern. Durch die gemeinsame Aufgabe finden die Jungen zueinander, doch Gerhard und Dietrich, die Anführer der Jugendbanden, sind beide in Corona verliebt. Und als Corona wieder gesund ist, bekommt sie ein Angebot von einem richtigen Zirkus.
Summer 1945: In the debris of a fallen
Regie: Hans Müller. Regie-Assistenz: Karl Karbig. Buch: A. Arthur Kuhnert. Kamera: Robert Baberske. Zweite Kamera: Alfred Westphal. Kamera-Assistenz: Hans-Joachim Degler. Standfotos: Hermann Gehlen. Bauten: Wilhelm Vorwerg, Otto Gülstorff. Requisite: Paul Gaeble (außen), Kurt Schulze (innen). Kunstmaler: Bruno Möller. Kostüme: Gertraude Recke; Assistenz: Bote. Garderobe: F. Göllner, Gertie Hermann. Maske: Günther Frank, Ludwig Ziegler, Cilly [= Cäcilie] Didzoneit. Schnitt: Ilse Voigt. Ton: Karl Kropf. Musik, Liedtexte: Hans-Otto Borgmann. Choreografie: Sabine Ress. Artistische Leitung: Ruppelt.
Darsteller: Eva-Ingeborg Scholz (Corona), Lutz Moik (Gerhard), Piet Clausen (Dietrich), Ralph Siewert (Fritzchen), Horst Gentzen (Emil), Hans-Edgar Stecher (Heinz), Hans Neie (Rudi), Werner Müller (Karlchen), Walter Werner (Dr. Waldner), Herbert Hübner (Dr. Hanke), Eduard Wandrey (Hugo Grandini), Anneliese Würtz (Frau Grandini), Hans Leibelt (Direktor Barlay), Annemarie Hase (Frau Schmittchen), Eduard Wenck (Platzbesitzer Ruhl).
Produktion: DEFA Deutsche Film-AG, Berlin/DDR. Produktionsleitung: Eduard Kubat. Produktions-Assistenz: Hanns Wolfgang Petersz. Aufnahmeleitung: Herbert Junghanns; Assistenz: Kurt Willuschat. Drehzeit: August - Dezember 1947. Drehorte: Ufa-Ateliers Potsdam-Babelsberg. Außenaufnahmen: Berlin-Charlottenburg, Berlin-Prenzlauer Berg (Exerzierplatz Schönhauser Allee), Zirkus Barlay. Länge: 89 min, 2446 m. Format: 35mm, s/w, 1:1.33. Zensur: 3.9.1948.
Uraufführung: 17.9.1948, Berlin/Ost (Babylon).
Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin
Das große Drehbuch der deutschen Nachkriegsproduktion diktiert die Zeit. Eine unermeßliche Fülle von Stoff, ein verantwortungsreiches Arbeitsfeld für die Filmschaffenden! War es zu Anfang das Problem des Heimkehrers, das in mancherlei Abwandlung an uns vorüberzog, war es der notwendige, unvermeidbare Rückblick auf nie wieder gutzumachendes Vergangenes, so ist es in letzter Zeit in immer stärkerem Maße das Schicksal junger Menschen, vom Inferno des Zusammenbruchs an den öden Strand eines neuen Daseins geworfen, das die Drehbuchautoren bewegt und anspricht.
Von allen Filmen dieser Art, die bisher versuchten, sich mit der Situation der deutschen Nachkriegsjugend auseinanderzusetzen, ist 1-2-3 Corona, der neueste DEFA-Film, bei weitem der erfreulichste. Seine starke, bejahende Tendenz, fern von jeder optimistischen Gewolltheit, ist echt und getragen von einem frischen, wirklich jungenhaften Humor, der den Zuschauer die im Tiefsten unzerstörbare Welt der kindlichen Vorstellungskraft nicht durch die pädagogische Brille des Erwachsenen, sondern mit den Augen des jungen Menschen sehen läßt. Hier wird nicht in bloßer Schwarzweißmanier gearbeitet; kein unnötiges Generationsproblem wird konstruiert, um Spannungen zu erzeugen. Wohl lassen sich die Jungen leicht in die Schiebergeschäfte der Großen verstricken, sie finden aber sofort auf den richtigen Weg, wenn sie Vertrauen spüren und menschliche Anständigkeit. Es ist nur eine verirrte, keine verlorene Jugend.
Das Drehbuch schrieb A. Arthur Kuhnert. Um zwei elternlose Halbwüchsige schart sich eine Bande gleichaltriger und kleinerer Jungen. Anfangs verfehdet, einigt sie das Auftauchen der blutjungen, ebenfalls elternlosen Trapezkünstlerin Corona. Nachdem diese bei ihrer ersten Vorführung abstürzt woran die Jungen indirekt schuld sind , bleibt sie deren und eines freundlichen Doktors Fürsorge überlassen. Die Jungen bauen der Genesenden einen Zirkus aus den unwahrscheinlichsten Trümmerfunden, werden zu eifrigen kleinen Artisten und finden so über das Spiel den Weg zu einer ernsthaften und sie immer mehr und mehr beherrschenden Aufgabe. Mag hier auch der Einwand auftauchen, ein Zirkus sei schließlich das Unnotwendigste an Aufbauleistung diese Einschränkung läßt sich leicht entkräften: wäre die Heldin Gärtnerin gewesen, hätten die Jungen bestimmt aus rostigem Gestänge und zerbrochenen Scheiben ein Treibhaus zustande gebracht. Gerade dieser folgerichtige Handlungsablauf macht den Stoff in einem unpathetischen Sinne erfreulich positiv und kennzeichnet außerdem die starke psychologische Einfühlungsgabe des Autors. Eben diesem Einfühlungsvermögen ist es auch zuzuschreiben, daß der Film mit soviel Takt die Klippen von Sentimentalität und Pubertätsproblematik umsteuert.
- Monica Melis: Jugend zwischen Spiel und Wirklichkeit
Neues Deutschland, 21.9.1948
Eltern, schickt eure Kinder in diesen Film! Sie gehen ja sowieso ins Kino. Beratet sie gut in diesem Film sind sie gut aufgehoben! Es ist 1945 Berlin Trümmer, eine Horde Buben mittendrin. Keine Schule, keine Lehrer dafür Schwarzmarkt, Faulheit und Verbrechen. Der Film zeigt schonungslos diese uns so vertrauten Dinge. Aber dann macht er uns das Herz ganz weit, denn aus dieser verkommenen Bande wird eine prachtvolle Schar, die sich einsetzt für eine große Aufgabe. Es geht um einen Menschen, um die kleine Corona. Ein alter, gütiger und erfahrener Arzt zeigt dieser Rasselbande den Weg, den sie gehen soll. Er hat Vertrauen zu ihnen und auf einmal geht's.
So also muß man es machen: Vertrauen ist mehr als alle Paukerei. Eine Aufgabe erzieht mehr als der erhobene Zeigefinger. Und spielen können diese Kerle! Echter jedenfalls als manche routinierte Filmschauspieler, die wir bis zum Überdruß erlebt haben.
Wir empfehlen diesen prachtvollen Filmstreifen gerade auch den christlichen Eltern und Erziehern aufs wärmste.
- Waldemar Wilken: 1, 2, 3 Corona
Evangelischer Film-Beobachter, Nr. 4, 15.2.1949