Deutsche Flieger zwischen Krieg und Liebe: Die vier Männer des Fernaufklärers Dora sind die beste Besatzung der Staffel. Sie können sich im Kriegseinsatz hundertprozentig aufeinander verlassen, und auch privat verstehen sie sich gut. Beim Heimaturlaub in Berlin verlieben sich Bordfunker Otto und Schütze Fritz in die Verlobte des jeweils anderen. Die Leutnants Joachim und Franz hingegen besuchen eine Jugendfreundin, die inzwischen Ärztin ist, und in die sie beide einmal verliebt waren. Die jedoch interessiert sich nur für den Staffelkapitän, dessen Verletzung sie im Lazarett behandelt. Durch all diese Umstände droht die Freundschaft der Männer zu zerbrechen. Doch als sie nach einer Notlandung in Afrika tagelang in der Wüste ausharren müssen und zu verdursten drohen, sprechen sie sich aus und nach der Rettung durch eine italienische Fliegerstaffel finden auch die richtigen Paare zueinander.
German aviators trapped between love and war: The four man crew of the long-range reconnaissance aircraft Dora are the best in the Squadron. They get along very well personally and know they can count on each other 100 percent in any military action. While on leave in
Regie, Buch, Idee: Karl Ritter. Buch-Mitarbeit: Fred Hildenbrand. Regie-Assistenz: Gottfried Ritter. Kamera: Heinz Ritter. Modell- und Luftaufnahmen: Theodor Nischwitz. Kostüme: Gertrud Steckler. Schnitt: Gottfried Ritter. Ton: Werner Maas. Musik: Herbert Windt.
Darsteller: Hannes Stelzer (Leutnant Joachim Krane), Hubert Kiurina (Leutnant Franz von Borcke), Josef Dahmen (Feldwebel Otto Roggenkamp), Georg Thomalla (Unteroffizier Fritz Mott), Ernst von Klipstein (Hauptmann Kurt Gillhausen), Clemens Hasse (Oberleutnant Erich Krumbhaar), Helmut Schabrich (Oberleutnant Semmler), Wolfgang Preiß (Stabsarzt der Reserve Dr. Wagner), Suse Graf (Dr. med. Marianne Güldner), Charlott Daudert (Mathilde Kruschke, genannt Cora Corona, Modistin), Carsta Löck (Straßenbahnschaffnerin Betty Schütte), Roma Bahn (Frl. Bornschlegel, Laborantin im Reservelazarett), Otz Tollen (Oberstleutnant), Ewald Wenck (Ober im Restaurant), Karl Münch, Walter Ringewald.
Produktion: Ufa-Filmkunst GmbH, Berlin [Herstellungsgruppe Karl Ritter]. Herstellungsleitung: Karl Ritter. Produktionsleitung: Gustav Rathje. Aufnahmeleitung: Herbert Junghanns, Willi Rother. Drehzeit: 4.8.1942 (Westfront), Mitte Oktober 1942 (Ostfront), November 1942 (Ostia), Anfang Dezember 1942 Januar 1943 (Freigelände Ufastadt Babelsberg). Drehort: Westfront, Ostfront (Leningrad), Ostia, Freigelände Ufastadt Babelsberg, Berlin und Umgebung (Lazarett am Wannsee). Länge: ca. 91 min, ca. 2500 m. Format: 35mm, s/w, 1:1.33, Tobis-Klagfilm. Zensur: 11.1943, B., V. / AMV.
Uraufführung: 2.2.1945, Brandenburg-Brest (geschlossene Vorstellung mit Vortrag Karl Ritters vor Flugschülern).
Am 9.11.1944 nach mehrmaliger Vorlage von der Reichsfilmintendanz verboten.
Von den Alliierten Militärbehörden verboten.
Für die Rollen von Suse Graf und Roma Bahn waren ursprünglich Lotte Koch und Erika von Thellmann vorgesehen.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Sechs volle Wochen habe ich mich als Soldat bei den Fernaufklärern aufgehalten, ehe ich an das Schreiben des Drehbuches gegangen bin. Unter dem Eindruck der Erlebnisse während dieses Kommandos entstand der Plan, das frische Milieu so echt und unverfälscht wie irgend möglich allen Volksgenossen zugänglich zu machen und keine einzige Aufnahme im Filmatelier, sondern alles an Ort und Stelle mit den echten Fliegern und ihren Offizieren zu drehen. Nur die Hauptrollen sollten Schauspieler darstellen, die so zu den echten Leuten der Front passen, dass man sie nicht von ihnen unterscheiden kann. Ich habe diesen Plan kompromisslos durchgeführt. Auch von den Szenen des Berliner Komplexes ist keine im Atelier oder auf dem Filmgelände gedreht worden. Wir waren mit dem ganzen Aufnahmestab im Westen bei den Männern, die gegen England fliegen, wir waren vor Leningrad an der Ostfront und waren im heißen Süden. Ich glaube, man spürt das, wenn man unseren Film sieht. Es weht von der Leinwand der frische Wind, den ich mir erhofft habe. Es ist der prächtige und herzstärkende Geist, der unsere Front beherrscht und den keiner vergisst, der einige Zeit zwischen ihren Männern gelebt hat. Jeder in der Heimat muss immer wieder ein paar Atemzüge davon nehmen. Eine bessere Kur gibt es nicht in dieser Zeit.
So dient unser Film zwei Aufgaben: der Heimat ein Ahnen vom fliegerischen Fronterlebnis zu geben und sie daneben durch eine aufgelockerte Handlung für eine Stunde heiter besinnlich zu unterhalten und zu entspannen. Dann aber soll hinter dem Spiel der handelnden Figuren vor allem unseren prächtigen Fernaufklärern und ihren mit so wunderbarer Selbstverständlichkeit Tag für Tag durchgeführten großartigen Leistungen ein weithin sichtbares und bleibendes Denkmal in den Herzen aller aufgerichtet werden.
Gruß und Dank den tapferen Kameraden an der Ost- und Westfront, die an Besatzung Dora mitgeholfen haben!
- Karl Ritter: Geleitwort
Pressematerial Besatzung Dora
Nach der Ablieferung des fertigen Films wird Ritter im April 1943 die ablehnende Haltung des Propagandaministers mitgeteilt. Es folgt der Versuch, den Film durch Schnitte zu retten, so werden auf Anordnung des Propagandaministeriums Szenen mit Hockeymädchen entfernt, »weil sie nicht in die Kriegslage paßten«. Schließlich wird der Film im November 1943 nach mehrmaliger Zensurvorlage endgültig verboten. Daß die Verbotsgründe in der »Entwicklung der Kriegslage« zu suchen sind, liegt sozusagen auf der Hand. Im Film wird an zwei Stellen vom Siedeln im Osten gesprochen, aber bereits im Februar 1943 hatte die 6. Deutsche Armee in der Sowjetunion kapitulieren müssen. Weiterhin mußte die Rettung durch faschistische italienische Flieger nach der Gefangennahme Mussolinis am 25. Juli 1943 befremdend wirken. Der gesamte in Afrika spielende Komplex hätte ab April dieses Jahres entfernt werden müssen, da Nordafrika sich ab Mitte Mai 1943 militärisch im Besitz der Alliierten befand. (...)
Wie unsicher die Rekonstruktion von Verbotsgründen für Filme jener Jahre durch bloßes Abtasten des Umfeldes ist, zeigt eine Aussage Karl Ritters: »Ein Grund des Nichterscheinens von Besatzung Dora war die K[arl] R [itter] durch Staatssekr. Gutterer am 14. Apr. 43 mitgeteilte Kritik des Min. Göbbels, daß der Film kein nationalsozialistischer Film sei. Angesichts der großen, z.T. gefahrvollen und langwierigen Arbeit (ein Film ohne Atelier!) war diese Kritik überaus deprimierend.« Diese grotesk wirkende Aussage, die man vielleicht als Schutzbehauptung abtun mag, korrespondiert mit einer hämischen Tagebuchaufzeichnung des Goebbels-Intimfeindes Alfred Rosenberg, nach der Hitler geurteilt habe, daß die Filme Karl Ritters zwar allgemein-patriotisch, aber keinesfalls nationalsozialistisch seien.
Auch eine weitere Aussage Ritters ist recht aufschlußreich, da sie unverhohlen zeigt, daß die Entscheidung nur von dem ausging, der im entsprechenden Augenblick die Macht besaß, sie durchzudrücken. »Interessant, daß die Luftwaffe, die an dem Film Besatzung Dora sehr interessiert war und ihn bis in alle Einzelheiten billigte, nicht mehr in der Lage war, diesen für die Luftwaffe propagandistisch wertvollen Film gegen die Ablehnung des Promi durchzusetzen. Frau Emmy Göring war an Hubert Kiurina interessiert, der mit ihrer Nichte verheiratet war. Aber selbst Göring kam im April 43 nicht mehr gegen ein Göbbels' sches Machtwort auf. «
Am 9. November 1944 wurde das Verbot von der Reichsfilmintendanz noch einmal schriftlich bestätigt. Am 2. Februar 1945 durfte der Film mit einer Sondergenehmigung des Propagandaministers für Angehörige der Luftwaffe in einer geschlossenen Veranstaltung aufgeführt werden.
- Aus: Kraft Wetzel, Peter A. Hagemann: Zensur Verbotene deutsche Filme 1933 1945. Berlin: Spiess 1978, S. 61-63.