Mai 1945: Der lässige amerikanische Offizier Tom Keller ist begeisterter Jazzfan und Kommandant einer kleinen Stadt in Süddeutschland. Er macht den deutschen Ingenieur Walter Reinhardt, der ein wahres Organisationstalent ist aber mit Jazz nichts am Hut hat, zum kommissarischen Bürgermeister. Beide sind vernarrt in die Musikstudentin Maria Neuhaus, und Maria nimmt beide mit auf die erste Tournee ihrer international besetzten Jazzband, Tom als Dirigent und Walter als Reiseleiter. Zunächst hat die Band großen Erfolg, doch als Walter glaubt, Maria hätte sich für Tom entschieden, verlässt er sie. Von nun an lässt der Erfolg der Band nach. Als jedoch ein Konzert kurz vor der Absage steht, kehrt Walter zurück und sorgt dafür, dass die Show doch noch stattfinden kann und ein Riesenerfolg wird. Maria weiß inzwischen schon längst, für wen sie sich entschieden hat.
May 1945: Easy-going American officer Tom Keller is both an enthusiastic Jazz fan and the commandant of a small town in southern Germany. He appoints German engineer Walter Reinhardt, who has excellent organizational skills but no interest in Jazz music, as provisional town mayor. Tom and Walter both adore music student Maria Neuhaus. She invites them both to join her on her internationally casted Jazz band’s first tour, Tom as band leader and Walter as tour manager. The band is a big success at first, but when Walter thinks that Maria has decided her love is for Tom, he leaves. With Walter’s departure, the success of the band begins to decline. However, when one of the concerts is threatened to be called off, Walter returns to see to it that the show takes place and is a great success. Maria has long since decided to whom her heart belongs.
Regie: Rudolf Jugert. Regie-Assistenz: Ilona Juranyi. Buch: Helmut Weiss; nach einer Idee von Margot Hielscher. Kamera: Georg Bruckbauer. Optische Effekte: Theodor Nischwitz. Standfotos: Ferdinand Rotzinger. Bauten: Max Mellin. Kostüme: Brigitte Raydt. Maske: Jonas Müller, Arthur Schramm. Schnitt: Luise Dreyer-Sachsenberg. Ton: Carl Becker, Walter Rühland. Musik, Musikalische Leitung: Friedrich Meyer. Liedtexte: Hans Fritz Beckmann. Musik-Ausführung: Rundfunktanzorchester des NWDR (Leitung: Harry Hermann Spitz), Helmut Zacharias, Franz Thon, Freddy Brocksieper. Gesang: Margot Hielscher, Die Nicolets. Musik-Titel: »Swing! Swing! Swing!«, »Einer unter Millionen«, »How do you do?«, »Wenn die Baumwollfelder blüh'n«.
Darsteller: Margot Hielscher (Maria), Hans Söhnker (Walter), Peter van Eyck (Tom), Bobby Todd (Cesare), Heidi Scharf (Renate), Iska Geri (Grit), Hannelore Bollmann (Herta), Madelon Truß (Berta), Werner Scharfenberger (Teddy), Richard Bendig (Seppl), Oliver Hassencamp (René), Johannes Buzalski (Gabor), Toni Thormal (Jan), Jürgen Wulf (Hans), Peter Fiedler (Fritz), Musiker: Panos Papadopoulos, Freddie Brocksieper, Helmut Zacharias, Eberhard Keim, Claire Ruegg (Frau Neuhaus), Bob Norwood (Sergeant), Franklin Clay (Sam), Ingeborg von Morawski-Hennig [= Ingeborg von Morawsky] (Fräulein Senkpiel), Petra Unkel (Roswitha), Karl Schöpp (Alois), Axel Scholtz, Bill Nuzur, Dolf Zenzen.
Produktion: Camera-Filmproduktion GmbH, Hamburg und München. Produktionsleitung: Georg Richter. Aufnahmeleitung: Kurt Paetz, Otto Reinwald. Drehzeit: Frühjahr 1949. Drehort: Atelier München-Geiselgasteig. Außenaufnahmen: Oberbayern (Oberammergau, Garmisch, Neubiberg). Länge: 101 min, 2753 m. Format: 35mm, s/w, 1:1.33. Zensur: Mai 1949, All. MZ, ab 16, nff.
Uraufführung: 13.5.1949, München (Luitpold), 1.6.1949, Berlin/West.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Offen gesagt: uns war ein wenig bange davor. Wochen, ja schon Monate vor der jetzigen Premiere brachten sämtliche Sender von der Maas bis kurz vor der Memel Musik aus diesem Film. Der Camera-Pressechef hatte eine Reklame gestartet, die selbst dem Regisseur, Rudolf Jugert, zuviel wurde. Nichtsdestoweniger sang allabendlich Margot Hielscher; und wer auf seiner Lautsprecherskala zwischen Frankfurt und Stuttgart einherkurbelte, hörte auf allen Sendern ihr »Baumwollied« und »Einer unter Millionen«. Währendessen setzte Zarah Leander Staub an, sang zwar zuweilen auch noch, wurde aber noch öfter von Stimmimitatoren gesungen. Der Unterschied liegt darin, daß Margot Hielscher wirklich singen kann. (…)
Also: das Problem der Fraternisierung. Wir alle haben das Kriegsende miterlebt und dabei sehr fein empfunden, wie uns der einzelne Mensch der Besatzungstruppe gegenübertrat. Wir haben gut beobachtet sind aber auch gut beobachtet worden. Und das zeigt der Film. Hier die uns unangenehme Wahrheit vom »Ami-Fräulein« dort die ehrliche, anständige Frau, die nicht den Amerikaner, sondern nur den dahinterstehenden Menschen sucht. Dabei wird der Amerikaner im Drehbuch nicht überzeichnet: weder zu seinen Gunsten (wie man annehmen konnte), noch zu seinen Ungunsten (wie man sowieso nicht annehmen konnte) (Obwohl auch ein Amerikaner, der seiner zukünftigen deutschen Schwiegermutter, bevor sie sich hinsetzt, den Stuhl zurechtrückt, Seltenheitswert hat). Captain Tom faßt dies alles zusammen, wenn er sagt: »Wer nicht begriffen hat, was salopp ist, wird Amerika nie begreifen.«
Zu denken gibt dies: Hier ist ein wirklicher Zeitfilm, der verspricht, ein wirklicher Publikumserfolg zu werden. Und diese Verbindung zwischen Zeitfilm und Publikumserfolg überrascht. Wir müssen uns daher fragen: warum? Nur der Musik wegen? Oder Margot Hielscher zuliebe? Das wäre eine unrichtige, qualitative Schmälerung von Handlung und Regie. Wir glauben, es liegt darin: Wenn der Film auch eine ungeschminkte Realität zeigt, so vermeidet er doch das Extreme. Nicht jeder von uns kam in Auschwitz um, aber auch nicht jeder konnte in seinem Einfamilienhaus den Roman »Das gute Recht« schreiben. Die Handlung dieses Films liegt in der Mitte, sie nähert sich damit dem Alltäglichen, dem eigenen Erleben eines großen Publikums. Zudem sind uns die Tage kurz nach Kriegsende schon wieder entrückt. Wir »entsinnen« uns ihrer, d.h. sie sind uns fast schon Vergangenheit. Daher können wir auch wieder darüber lächeln. »Aha«, denkt der ehemalige Gefreite Müller, »so bin ich auch der Gefangenschaft entronnen«, und lächelt. »Aha«, flüstert Frau Meier vor sich hin, »mich hat auch ein Amerikaner mit ˃Hallo, Fräulein < angerufen«, und lächelt. Hallo, Fräulein! zeigt also die Realität mit einem feinen Lächeln und nicht mit einer verkrampften Komik, die uns der Herr vom anderen Stern vorsetzte. Neben dem neuen Star Margot Hielscher ist die Musik Hauptdarsteller. Verantwortlich für sie zeichnet Friedrich Meyer. Hier und dort komponiert Meyer Gershwin nach; aber er macht es geschickt und amerikanisch. Wenn Meyer eine »Ehrenrettung des Jazz« vorschwebte, so ist seine Musik dieser Ehre wert.
Die Regie arbeitet stark mit Großaufnahmen. Aber diese ist nicht eine Flucht vor dem fließenden Ablauf der Vorgänge, sondern sie bezweckt eine Intimität zwischen Zuschauer und Leinwand. Der Regisseur Jugert verwertet keine neuen filmtechnischen Mittel, wendet aber die alten äußerst geschickt an. So werden besonders die Außenaufnahmen, trotz stark betonter musikalischer Untermalung, im Einklang von Optik und Ton fein gelöst. Jugert, schon durch den Film ohne Titel bekannt geworden, wird als selbständiger Regisseur kommender Filme mitzureden haben.
Hallo, Fräulein! ist Unterhaltungsfilm. Daneben will er die Verbrüderung. Vermittler zwischen den Nationen ist die Musik. Ihre Sprache ist international. Darum ist der Film mehr als bloße Unterhaltung: er ist Unterhaltung von Niveau.
- Werner Wilfried Koch: Hallo, Fräulein
Rheinische Zeitung, 16.5.1949