Der junge Lehrer Hellmut Gründel kommt in ein abgelegenes Fischerdorf an der Ostseeküste, das fest in der Hand des Gastwirts Ottokar Waschke ist. Dieser besitzt den einzigen Transporter, mit dem die Fischer ihren Fang zum Markt bringen können. Während die Fischer in Armut leben, macht Waschke mit ihren Fängen Profit. Gründel organisiert die Hitler-Jugend und schweißt die Dorfjungens zu einer Einheit zusammen. Er regt die Gründung einer Genossenschaft an, mit der sich die Fischer mit einem eigenen Transporter von Waschke unabhängig machen. Als der Junge Heini entdeckt, dass Waschke auch noch ein Alkoholschmuggler ist, schweigt er zunächst, da Waschke ihm droht, seinen Vater, den Dünenwächter, als angeblichen Täter an die Polizei zu verraten. Doch als Heini erkennt, dass er Gründel und seinen Kameraden trauen kann, gelingt es ihnen gemeinsam, Waschke und seinen Komplizen das Handwerk zu legen.
Young teacher Hellmut Gründel arrives in a remote fishing village on the
Regie: Robert A. Stemmle. Regie-Assistenz: Fritz Andelfinger. Buch: Otto Bernhard Wendler, Horst Kerutt, Robert A. Stemmle; nach dem Roman »Die dreizehn Jungens von Dünendorf« (1941) von Horst Kerutt. Kamera: Robert Baberske. Standfotos: Willi Klitzke. Bauten: Emil Hasler, Otto Gülstorff. Schnitt: Walter Wischniewsky. Ton: Erich Schmidt. Musik, musikalische Leitung: Werner Egk, Assistenz: Ludwig Preiss. Liedtexte: Hans Fritz Beckmann. Musik-Titel: »Es fährt ein Schiff auf dem Strom der Zeit« (Egk / Beckmann), »Marsch der deutschen Jugend« (Egk / Beckmann).
Darsteller: Albert Hehn (Hellmut Gründel, Lehrer und HJ-Gefolgschaftsführer), Bruni Löbel (Anne-Liese Gründel, seine Schwester), Eduard Wenck (Dünenwächter Albert Faustmann), Maria Hofen (Frau Faustmann), Botho Kaatz (Heini Faustmann), Gisela Scholtz (seine Schwester), Eduard Wandrey (Gastwirt Ottokar Waschke), Hilde Sessak (Lene, Waschkes Nichte), Rudolf Koch-Riehl (Waschkes Chauffeur Franz), Kurt Fischer-Fehling (Bannführer Krüger), Botho Kayser (Bannführer Hartmann), Georg Thomalla (Jochen Krafft, Fahrer der Fischerei-Genossenschaft), Franz Ernst Bochum (alter Fischer), Dieter Borsche (Polizist in Königsberg), Wilhelm Grosse (Leierkastenmann), Hugo Gau-Hamm (Fischer), Gerhard Jeschke (Markthallenangestellter), Wilhelm H. König (Führer des Schmugglerbootes), Philipp Manning (alter Fischer), Maria Michael, Wolfgang Staudte (Junger Fischer), Lili Schoenborn (seine Frau), Erhard Stettner (Mitglied der Fischhalleninspektion), Reinhold Weiglin (Fischer), Sepp Rederer (Polizist beim Gauwettbewerb), Conrad Curd Cappi; Helga Hesse, Karl Junge-Swinburne [= Swinburne], Ulrich Strelow, Eva Steffen, Werner Egk (Dirigent), Hitlerjungen der Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen (Heini Faustmann und die anderen Jungens), Jungen der Memeler Marine-HJ, Memeler Jungmädel, HJ-Gebietsmusikzug Königsberg, Fischer aus Nidden, Perwelk und Preyl.
Produktion: Universum-Film AG (Ufa), Berlin [Herstellungsgruppe Eberhard Schmidt]. Herstellungsleitung: Eberhard Schmidt. Aufnahmeleitung: Herbert Junghanns. Drehzeit: 22.9. Mitte Oktober 1940 (Außenaufnahmen); 23.10. Dezember 1940 (Atelieraufnahmen). Drehort: Ufastadt Babelsberg. Außenaufnahmen: Nidden an der Kurischen Nehrung, Danzig (Langer Markt). Länge: 87 min, 2393 m. Format: 35mm, s/w, 1:1.33, Klangfilm. Zensur: 24.3.1941, B.55267, Jf.
Uraufführung: 2.5.1941, Berlin (Tauentzien-Palast, U.T. Friedrichstraße, Atrium).
Arbeitstitel: »Die dreizehn Jungens von Dünendorf«, »13 Jungen«.
Von den Alliierten Militärbehörden verboten.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Der Film soll und will ein Spiegel des Lebens sein. Und wie ein Spiegel zeitlos Gestern wie Morgen einfängt, so sieht der Film nach Gestern in seinen historischen Filmen und nach Morgen. Dieses Morgen vertreten die »Jungens-Filme«, Filme vom künftigen Deutschland, von den Jungen, die auch die Filmbesucher von morgen sind. Vom Hitlerjungen Quex über den Stammbaum des Dr. Pistorius entwickelte sich diese neue Spezies Film zunehmend bis zu ihren letzten Vertretern, dem Napola-Film Kopf hoch, Johannes, und diesem neuen Film, dessen beste Impulse aus einer Adolf-Hitler-Schule stammen. Der Jungensfilm hat seine endgültige Form noch nicht gefunden, das kann er vielleicht erst, wenn die Jugend nicht nur thematisch, sondern auch produktiv vom Film Besitz nimmt.
Dieser Film bringt mit seinen prachtvollen ostpreußischen Jungens, mit der Dünenlandschaft, dem armseligen Haffdorf, mit dem Meer und den Segelbooten die besten Voraussetzungen für ein lebendiges Bild mit. Er hat dazu in der Not der Fischer, in der dörflichen Bedrängnis, die zur Stadtflucht verführt, in der Verwilderung der Jugend und im Kampf eines Dorfschullehrers einige ungewöhnlich tragfähige Konflikte, die der Regisseur R. A. Stemmle mit fast zu großer Geschicklichkeit in eine spannende Filmhandlung einbettet. Er läßt einen jungen Gefolgschaftsführer der HJ. in das Dorf kommen und um das Dorf kämpfen. Erst um die Jungen, dann um die Alten und schließlich gegen den Schmuggler und Gastwirt Waschke, der wie ein böser Alp auf dem Dorf lastet.
Der Film, dem Werner Egk mit seiner Musik einen entscheidenden, lebenshellen und klaren Grundzug und Robert Baberske aus der Dünenlandschaft eine starke bildliche Wirkung mitgeben, kommt, was nicht verschwiegen werden darf, in einigen Szenen in den gefährlichen Strudel der Zelluloidmagie. Sie ist eine Gefahr, die, wie die Erfahrung lehrt, zunächst noch in den Ateliers lauert und zum Grellen und Niedlichen verführt. Es ist der Flitter, der sich immer wieder über die Wirklichkeit hängen möchte, und der es hier z.B. zu einem Kampf der Jungens gegen die Spritschmuggler und ihre rüden Revolver kommen läßt, der des Grellen entschieden zu viel tut. Hierher gehört auch, wenn Hilde Sessak die fehlende Weiblichkeit und Erotik durch potenzierte Reize ersetzen muß, oder wenn ein so frisches und junges Geschöpf wie Bruni Löbel zum Atelierlächeln abgerichtet wird. Aber abgesehen von diesen gefährlichen Momenten hat das Drehbuch von O. R. Wendler und dem HJ.-Führer Horst Kerutt für saubere Atmosphäre gesorgt.
Die 13 Jungens, die Glücklichen, bringen sie sowieso mit. Sie sind unberührtes Leben, und daß diese Jungens aus der Adolf-Hitler-Schule, die auf der Bühne den Beifall entgegennehmen, anonym bleiben, obwohl sie die entscheidenden Spieler sind, ist genau so lobenswert, wie der junge Eifer. Neben ihnen sind die Alten im Dorf durch ein paar prachtvolle Köpfe besetzt, wie sie nur der physiognomische Hexenmeister Film mit dieser durchsichtigen Deutlichkeit hinstellen kann. Der sehr saftige Bösewicht ist Eduard Wandrey, der junge Lehrer Albert Hehn, der viel für die menschliche Überzeugungskraft des Film tun kann.
- Jürgen Schüddekopf: Jugend und Zelluloid
Deutsche Allgemeine Zeitung, 3.5.1941
Der junge Darsteller des Heini, ein Bauernsohn aus Mecklenburg, mußte mehr denn einmal die Frage, ob er denn nun beim Film bleiben möchte, mit einem klaren und eindeutigen Nein beantworten. Er will nach dem Besuch der Adolf-Hitler-Schule als Bauer tätig sein. Wenn jemand geschmacklos genug war, ihn um ein Autogramm zu bitten, dann konnte er ordentlich böse werden.
- G. H. [= Georg Herzberg]: Ostdeutscher Start des Ufa-Films Jungens
Film-Kurier, Nr. 110, 13.5.1941