Der Schriftsteller Robert Gaspary und seine Frau Margot haben zwei Söhne, Hans und Günther. Als Gaspary nach dem Machtantritt der Nazis verhaftet werden soll, muss er Hals über Kopf fliehen und nimmt Hans mit in die Schweiz. Margot und Günther bleiben zurück in Deutschland, sie lässt sich scheiden und heiratet einen General, der ihren Sohn nach seinen Idealen erzieht. Der General fällt im Krieg, Günther wird Flieger, und nach Kriegsende lebt er mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen im zerbombten Hamburg, während Gaspary, inzwischen Verleger, mit Hans in guten Verhältnissen in Zürich wohnt. Nun will Gaspary seine beiden Söhne wieder zusammenbringen und holt Günther und seien Ex-Frau in die Schweiz zum Urlaub in einem mondänen Wintersportort. Die Söhne des Herrn Gaspary, die zu ganz verschiedenen Menschen geworden sind, verstehen sich anfangs prächtig, doch dann verlieben sie sich beide in die schöne Dänin Kristine.
Writer Robert Gaspary and his wife Margot have two sons, Hans and Günther. After the Nazis come to power, Gaspary is supposed to be arrested. He immediately decides to flee and takes Hans with him to Switzerland. Margot and Günther stay in Germany. She officially divorces Hans and marries a general, who raises her son according to his ideals. During the war, the general gets killed and Günther becomes an airman. After the war he and his mother live in poor conditions in the bombed ruins of Hamburg. At the same time Gaspary, who has become a wealthy publisher, lives with Hans in Zurich. Wanting to bring his two sons together, he takes Günther and his ex-wife to Switzerland for a holiday in a posh little ski resort. The sons of Gaspary get along wonderfully at first, until they both fall in love with the beautiful danish girl Kristine.
Regie: Rolf Meyer. Regie-Assistenz: Horst Beck. Buch: Kurt E. Walter. Kamera: Albert Benitz. Kamera-Assistenz: Emil Eisenbach. Bauten: Erich Grave. Kostüme: Fredeking Hamburg. Maske: Heinz Fuhrmann. Schnitt: Martha Dübber. Ton: Emil Papenfuß. Musik: Werner Eisbrenner.
Darsteller: Lil Dagover (Margot Gaspary), Hans Stüwe (Robert Gaspary), Anneliese von Eschstruth (Sylvia Genris), Inge Landgut (Christine), Harald Holberg (Hans Gaspary), Fritz Michael Tellering (Günther von Korff), Hans Zesch-Ballot (Dr. Grove), Elise Aulinger (Frau Seelenmayr), John Pauls-Harding (Pit), Käthe Pontow (Tinchen), Walther Jung, Katharina Mayberg.
Produktion: Junge Film-Union Rolf Meyer, Hamburg und Bendestorf. Gesamtleitung: Rolf Meyer. Produktionsleitung: Helmuth Volmer. Aufnahmeleitung: Rudolf Fichtner. Drehzeit: Mitte März August 1948. Drehort: Atelier Bendestorf. Außenaufnahmen: Hamburg (Heiligengeistfeld), Österreich (Kleines Walsertal). Länge: 93 min, 2557 m. Format: 35mm, s/w, 1:1.33. Zensur: Oktober 1948, All. MZ, ab 16, nff.
Uraufführung: 26.10.1948, Hamburg (Harvestehuder Lichtspiele), 14.1.1949, Berlin.
Arbeitstitel: »Im Tal ist schon der Frühling«.
Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin
Der Streifen der jungen Firma Film-Union-Rolf-Meyer führt mitten hinein in eines der Probleme, mit denen sich die Nachkriegsgeneration herumzuschlagen hat. Wie findet sich der junge deutsche Mensch nach zehn Jahren militärischer Erziehung im dritten Reich nach dem Zusammenbruch und der Auflösung des Bestehenden nun plötzlich mit dem internationalen Leben ab? Wie stellt er sich den ehemaligen Feinden gegenüber ein? Begreift er, daß sie ihn gern als Menschen und Kameraden nehmen möchten, das sie lachen, wo er unüberbrückbare Schwierigkeiten sieht, daß sie aus der Breite eines sorglosen Daseins kommend, von liebenswürdiger Überlegenheit sind, wo er starre Prinzipen reitet?
Der Film (Regie Rolf Meyer) beleuchtet das Problem durch scharf betonte gegensätzlichkeit von Menschen und Umgebung. Es ist erfreulich, im Rahmen eines Spielfilms Ansätze zu einer geistigen Auseinandersetzung zu finden, wenn es auch bei den Ansätzen bleibt, die mit einer etwas gewaltsamen Happy-end-Lösung abschließen. Die beiden verschiedenen rüder (um die es geht) verkörpern Harald Holberg und Fritz Jürgen Tellering mit jugendlicher Unbekümmertheit, die heiß umstrittene Christine ist, anmutig und natürlich, Inge Landgut. Die schöne Anneliese v. Eschstruth und Hans Stüwes prachtvoll männlich und menschlich gezeichneter »Herr Gaspary« erfreuen. Das Wiedersehen mit Lil Dagover berührt eher schmerzlich; ihre klassische Schönheit wurde zu maskenhafter Starre.
- Pa.: Die Söhne des Herrn Gaspary
Weser-Kurier, 28.12.1948
Wenn das nationalsozialistische Regime seine Kapitulation überdauert hätte und nun, etwa nach einer von ihm selbst bemessenen Frist des scheinbaren Wohlverhaltens und der kläglichen Tolerierung demokratischer Lebensformen, wieder Boden zu gewinnen suchte, dann wären uns Filme gewiß wie dieses neueste Erzeugnis der »Jungen Filmunion Rolf Meyer«, Die Söhne des Herrn Gaspary. Der nachgebliebene Filmtrupp einer »Propagandakompanie« könnte nicht besser für die neofaschistische Legende werben, daß nur die Masse der Feinde die weltgeschichtlich widersinnige und ungerechte Niederlage des hitlerischen Deutschland bewirkt habe; daß des »Reiches« Sendung nicht erloschen, sondern nur verzögert worden sei. Die nur zeitweilig äußerlich beschränkte »innere Überlegenheit« beweist hier ein ehemaliger Staffelkapitän der »Luftwaffe«, nun Lastwagenfahrer und Werkstudent, seinem feige in die Schweiz emigrierten, sehr satt, sehr reich, zivilisatorisch verweichlicht zurückkehrenden Vater, seinem weltbürgerlich wohlerzogenem Bruder, einem britischen Flieger, einem in Berghotels und auf Schneehängen sich belustigenden internationalen Völkchen, selbst einem an kriegsbedingten antideutschen Komplexen laborierenden dänischen Mädchen und auch noch seiner Mutter, die madonnenhaft elegisch, nicht genügend die Generalleutnantswitwe ihrer zweiten Ehe repräsentiert. Als er einer so »verkommenen« Welt gezeigt hat, wie schlecht er erzogen worden ist, kehrt er heim mit seinem Bruder, der dieses mit dem Staffelkapitän auf Wartezeit so würdig vertretene Deutschland dem Weltleben vorzieht. Der sich das einfallen ließ, heißt Kurt E. Walter, der es inszenierte und es als »junges deutsches Filmschaffen« nun anbietet, Rolf Meyer. Das ist weder neu noch jung noch Film; es sieht nur so aus wie Film, weil es mit Hilfe der filmischen Apparatur zustande kam: es ist glasierte NS-Propaganda, die sehr deutsch gescholten werden könnte, wenn dieser Rolf Meyer mehr wäre als er ist: einer der romantischen Nachfahren Goebbelsscher Filmschulung. Immerhin ist er lizenziert, Filme zu machen, und kann noch anderen Unfug anrichten als diesen.
- E. M.: Die Söhne des Herrn Gaspary
Der Tagesspiegel, 22.1.1949