Eine Liebe im Krieg: Als der junge Fliegeroffizier Paul Wendlandt einen Tag Heimaturlaub in Berlin hat, besucht er eine Vorstellung der Varieté-Sängerin Hanna Holberg und verliebt sich in sie. Er folgt ihr und lässt nichts unversucht, sie kennen zu lernen. Überrascht durch einen Fliegeralarm ist sie gezwungen, ihn zu sich nach Hause zu nehmen. Er verbringt die Nacht mit ihr, verschwindet aber am nächsten Tag ohne ihr zu sagen, dass er Flieger ist und zurück an die Front muss. In den Wochen danach erkennt Hanna, dass sie Paul liebt, und schließlich akzeptiert sie seinen Heiratsantrag. Aber immer wieder muss er sie verlassen und kehrt zu seiner Truppe zurück. Erst als der Krieg gegen die Sowjetunion beginnt, erkennt Hanna, dass Paul sich einer größeren Sache verpflichtet fühlt und sie zurückstehen muss. Da wird Paul abgeschossen und verwundet. Hanna eilt zu ihrem Geliebten ins Lazarett.
Love entrenched in war: Young German Air Force officer Paul Wendlandt attends a performance of Varieté singer Hanna Holberg in
Regie: Rolf Hansen. Buch: Peter Groll, Rolf Hansen; nach einer Idee von Alexander Lernet-Holenia. Kamera: Franz Weihmayr. Optische Effekte: Gerhard Huttula. Bauten: Walter Haag. Schnitt: Anna Höllering. Ton: Werner Pohl. Musik: Michael Jary. Liedtexte: Bruno Balz. Musik-Titel: »Davon geht die Welt nicht unter« (Walzerlied), »Mein Leben für die Liebe« (Langsamer Foxtrott), »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n« (Langsamer Walzer), »Blaue Husaren (Heut' kommen die blauen Husaren)«. Gesang: Zarah Leander. Choreografie: Jens Keith.
Darsteller: Zarah Leander (Hanna Holberg, Sängerin), Grethe Weiser (Hannas Zofe Käthe), Viktor Staal (Oberleutnant Paul Wendlandt), Paul Hörbiger (Alexander Rudnitzky, Komponist), Wolfgang Preiss (Oberleutnant von Etzdorf), Hans Schwarz jr. (Artist Alfred Vanloo), Leopold von Ledebur (Herr Westphal), Julia Serda (Frau Westphal), Victor Janson (Theaterdirektor Mocelli), Wilhelm Althaus (Hauptmann Becker), Agnes Windeck (Hannas Mutter), Paul Bildt (Unfreundlicher Kellner), Erich Dunskus (Mann mit Staffelhund), Olga Engl (Alte Dame in Hannas Haus), Hugo Froelich (Portier der »Scala«), Ilse Fürstenberg (Luftschutzwartin), Wilhelm P. Krüger, Walter Lieck (Mieter im Luftschutzkeller), Henry Lorenzen (Straßenbahnfahrgast), Hermann Pfeiffer (Konsul), Gothart Portloff (Kommandeur der Fliegerstaffel), Grete Reinwald (Mutter im Luftschutzkeller), Armin Schweizer (Vater im Luftschutzkeller), Jakob Tiedtke (Hauswart), Walter Steinweg (Inspizient der »Scala«), Karl Etlinger (Mann mit Eintrittskarte), Just Scheu (Alfred Vanloos Bruder, Artist), Albert Florath (Alter Straßenbahnschaffner), Erna Sellmer (Kartenabreißerin), Ewald Wenck (Taxifahrer), Ernst Bader (Soldat beim Konzert in Rom), Jac Diehl (Fahrgast in der Straßenbahn), Angelo Ferrari (Löwenbändiger im Varieté), Lotte Goebel (Dienstmädchen bei Westphals), Gäste bei Westphals: Antonie Jaeckel, Alfred Karen, Wilhelm P. Krüger, Ferdinand Robert, Ernst Rotmund, Charles Francois (Gast beim Polterabend), Rudolf Woldrich (Offizier der Luftwaffe), Elena Lauri, Grete Beck, Curt Breitkopf, Gerd Castner, Hella Gantzert, Heinz Giebner, Hans Henryk, Carl Martin Kemper, Friedel Müller, Siegbert Preuss, Joachim Schwer, Carlo Trebuth, Maria Zidek-Meck SS-Leibstandarte Adolf Hitler.
Produktion: Ufa-Filmkunst GmbH, Berlin [Herstellungsgruppe Walter Bolz]. Herstellungsleitung: Walter Bolz. Aufnahmeleitung: Alfred Henseler. Drehzeit: 23.9. Anfang Oktober 1941 (Außenaufnahmen), 13.10. 18.3.1942 (Atelieraufnahmen). Drehort: Atelier Wien-Rosenhügel, Froelich-Studio Berlin-Tempelhof. Außenaufnahmen: Rom (u.a. Hotel Citta). Länge: 100 min, 2738 m / DP: 100 min, 2732 m / FSK: 83 min, 2253 m [1962] / 96 min, 2632 m [1980]. Format: 35mm, s/w, 1:1.33, Klangfilm. Zensur: 10.6.1942, B.57295, Jf. / DP: 18.4.1944, B.60163, Jf. 14 / FSK Nr. 28846, 20.11.1962, n. Jf, n. ff. / FSK Nr. 28846, 11.8.1980, Jf 6, ff.
Uraufführung: 12.6.1942, Berlin (Ufa-Palast am Zoo, Germania-Palast).
Prädikat: Staatspolitisch wertvoll, Künstlerisch wertvoll, Volkstümlich wertvoll.
Von den Alliierten Militärbehörden verboten.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Unsere Zeit der Prüfung und Bewährung bündelt Schicksale und häuft Probleme. Die Fülle des Lebens, des Kämpfens und des Sterbens flutet über alle Grenzen des Herzens und des Verstandes. Dazu kann die Kunst nicht schweigen, wenn sie sich nicht selbst verneinen will. Auch der Film hat ein Thema dieser Gegenwart aufgegriffen. Es liegt am Rande und spiegelt vom privaten Erlebnis her ihre Größe und Unerbittlichkeit. Es nimmt ein herausgestelltes Schicksal zum Symbol, um an ihm die Forderung des Tages an seine Menschen deutlich zu machen.
Die Geschichte zweier Menschen, die vor unseren Augen abrollt, kennt keinen tragischen Schatten, weist kaum ein dramatisches Element auf. Sie ist vielmehr alltäglich. Aber gerade in dieser unpathetischen Schlichtheit liegt ihre tiefe Wirkung. Es ist nicht die Absicht der Autoren gewesen, die gigantische Großartigkeit des Heute am Einzelfall zu demonstrieren. Es mag ihnen eher vorgeschwebt haben, seinen sachten Abglanz hinter den Szenen schimmern zu lassen. So wird der heiße Atem des Weltgeschehens nicht spürbar, dafür aber ein stilleres Bescheiden und ein süßeres Bangen um die Erfüllung einer Liebe.
Was an äußerer Szenerie an die Gegenwart gemahnt, hat nur den Wert des Kolorits. (...) Die dramatische Reportage über die Liebe eines Fliegeroffiziers zu einer Sängerin, die ausgesprochen novellistische Züge aufweist, wird bei den vier Begegnungen der Liebenden, und zwar nur dort, bedeutsam. Eine Flamme schlug von Herz zu Herz, und immer, wo ein Gefühl sich glücklich bestätigen möchte, erlaubt die Pflicht kein seeliges Verweilen. Das Ergreifende ist die innere Wahrheit und tiefe Schmerzlichkeit, mit der eine Frauenliebe sich läutert und ein Frauenherz den metallenen Ruf dieser Zeit begreifen lernt. Hier ist ein Einzelerlebnis beispielhaft für ein Millionenschicksal. Hier liegt der hohe künstlerische Wert des Films, der in seinen lyrischen Tönen um vieles spannender und klingender als in seinen dramatischen ist. (...)
Der Film packte seine Zuschauer, weil seiner äußeren Wahrheit eine höhere innere Wahrhaftigkeit entsprach. Er wurde von einem intensiv angesprochenen Publikum mit allen Zeichen uneingeschränkter Zustimmung aufgenommen. Der anhaltende Beifall galt vor allem Zarah Leander, die persönlich erschienen war.
- Hans-Walther Betz: Ein Film aus unserer Gegenwart
Der Film, Nr. 24, 13.6.1942
Als der Film mit dem verheißungsvollen Titel Die grosse Liebe anläuft, ist man zunächst ein wenig verblüfft, wie der Oberleutnant der Luftwaffe unbedenklich und verwegen den ganzen Ballast gesellschaftlicher Formen über Bord wirft, weil er unbeirrt vom Sperrfeuer abweisender Blicke sein amouröses Ziel anfliegt, und natürlich sofort einen Volltreffer ins Herz erzielt. Aber er tut es schwungvoll und jungenhaft keck, dieser flotte Bursche, so daß es schwer fällt, ihm böse zu sein. Und dann hilft eine Serie heiterer, der Gegenwart entlehnter Episödchen über die anfänglichen Hemmungen hinweg: Da gibt es etwas gewaltsam spendierten Bohnenkaffee im Luftschutzkeller, Kellner, die beim Höflichkeitswettbewerb keineswegs als lästige Konkurrenten auftreten wollen, gemütliche Straßenbahnschaffner, die den Fahrgästen ihre Wünsche von den verliebten Augen ablesen kurz allerlei nett beobachtete und heiter glossierte Züge.
Berlin, Paris und Rom zeigen sich von der freundlichsten Seite, ja, die Via Appia wird als echte Kulisse für den Liebesschmerz der Variete-Sängerin herangezogen. Aber der Krieg treibt es auch hart mit ihr. Afrika-Einsatz, Frankreich-Feldzug und der Krieg im Osten entführen ihr immer wieder den Geliebten: sogleich nach der ersten Nacht, dann direkt vom Polterabend hinweg, ja der nächste Heiratsurlaub wird schon am ersten Tage abgebrochen.
Zarah Leander fällt die schwere Aufgabe zu, den ganzen Film hindurch verlassen zu werden, Verlangen, Enttäuschung, Entsagung zu zeigen und immer wieder zuversichtlich und gläubig zu warten eine Solveig der Scala. Ihre tiefe Stimme taucht tief hinab bis auf den Grund der Gefühle, und von dort steigt es auf in mächtigen Wallungen: Zärtlichkeit und Sehnsucht, kecke Forderung und schmerzlicher Verzicht. Ihre Chansons trägt sie mit Schmiß und Kultur vor. Mit ihrem »Mein Leben für die Liebe jawohl!« singt sie sich dem Flieger ins Herz hinein, und ihre Versicherung: »Ich verschwende mich ohne Ende« bringt ihn auf höchste Touren. Ihr heiter-überwindendes Lied: »Wenn mal mein Herz unglücklich liebt« mit dem flotten Kehrreim: »Davon geht die Welt nicht unter, sie wird ja noch gebraucht...« begeistert die Verwundeten im Zuschauerraum nicht minder, als ihre kriegsversehrten Kameraden auf der Leinwand. Und ihr Liebesgesang: »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn« überzeugt sogar ihren hartnäckigen Verehrer, den Nebenbuhler des Kampffliegers von der Größe ihrer Liebe.
- Werner Fiedler: Der Flieger und die Sängerin
Deutsche Allgemeine Zeitung, 13.6.1942