cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes
Sabine Hake, Austin
Trümmerfilm made in Hollywood
Die Trümmerfilme made in Hollywood tragen maßgeblich zur Neubestimmung eines vor allen im nationalen Kontext untersuchten Genres bei; darüber hinaus erlauben sie uns, die Beziehungen zwischen Entnazifizierung und Amerikanisierung genauer zu untersuchen. In meinem Vortrag rekonstruiere ich diese Prozesse durch Jacques Tourneurs Berlin Expreß (1947/48), Billy Wilders A Foreign Affair (1947/48) und George Seatons The Big Lift (1950).
Insbesondere die filmische Inszenierung von Emotionen, bis jetzt vor allem in den Affinitäten des Trümmerfilms zum Melodrama untersucht, ermöglicht eine genauere Bestimmung des amerikanischen Trümmerfilms als Laboratorium zur Produktion von demokratischer Subjektivitätdas heißt, das von den Deutschen zu erlernende Begehren nach bzw. die Liebe zur Demokratie.
Im Rahmen der amerikanischen Nachkriegspropaganda bedeutet Demokratietauglichkeit fortan Identifizierung mit der amerikanischen als der dominanten Erzählperspektive, ein Vorgang, der in den Trümmerfilmen bevorzugt in geschlechtsspezifischen Kategorien zum Ausdruck kommt.