
Nach dem Krieg ist das Leben von Not und Entbehrung gekennzeichnet. Doch junge Leute wie Erika wollen ausgehen, tanzen und das Leben genießen. Nach einem Konflikt mit ihren Eltern zieht Erika in die kleine Wohnung ihres Freundes Walter, der als Reporter bei einer Zeitung arbeitet. Ihre Freundin Annemie veranstaltet Partys mit wohlhabenden Männern, die den Mädchen Kostbarkeiten wie Nylonstrümpfe und Konfekt schenken. Erika weiß noch nicht, dass dafür auch eine Gegenleistung verlangt wird. Sie trifft auf Herbert, der gerade aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist und herausgefunden hat, dass seine Frau in der Zwischenzeit eine Affäre hatte. Erika lässt sich mit Herbert ein, doch als sie später bei einer Razzia verhaftet wird, wird bei ihr eine Geschlechtskrankheit festgestellt. Inzwischen erfährt Herbert, dass seine Frau sich diese Krankheit zugezogen und ihn angesteckt hat. Während sich die beiden schließlich versöhnen, flieht Erika zunächst aus dem Krankenhaus, kehrt aber wieder zurück, als sie von Annemie hört, wie die Syphilis ihr Leben zerstört hat.
After the war life in the rubbles is marked with distress and hardship. But young people like Erika want to go out, dance and enjoy life. After a conflict with her parents, Erika moves to her friend Walter, who works as a newspaper reporter. Her friend Annemie hosts parties with wealthy men, who give the girls precious things like nylon stockings and pralines. Erika does not yet know that they expect something in return. She meets Herbert who has just come back from war captivity only to find out that his wife had been having an affair. Erika gets involved with Herbert, but after she is arrested during a raid she finds out that she has a venereal disease. In the meantime Herbert learns that his wife has contracted the disease and infected him. When the two finally reconcile with each other, Erika flees from the hospital, but after hearing from Annemie how Syphilis has destroyed her life, she returns.
Ist dies [...] ein »medizinischer« Film oder gar ein tendenziöser »Aufklärungsfilm«? Der Regisseur Peter Pewas, danach befragt, verneint. Er betont, daß er einen Spielfilm gedreht habe, der mit spannender Handlung genau so angefüllt sei wie mit künstlerischem Ernst; gewiß ein Film, der aus der Notwendigkeit, zu einem brennenden Problem unserer Zeit Stellung zu nehmen, geboren wurde, aber vorab ein Werk, das alle Motive aus dem Menschlichen bezieht. Also auch kein schlüpfriger »Sittenfilm« mit Sensationshascherei und Nervenkitzel.
»Wenn wir dem Leben einen Spiegel hinhalten, wenn unsere Kamera ohne Scheu in die Schächte der Großstadtstraßen steigt und fremde Wohnungen belauscht, die Hintergründe einer Heimkehrerehe aufdeckt, die gefährlichen Pfade einer immer hungrigen Achtzehnjährigen zeigt, die, ohne sich dessen bewußt zu sein, der Prostitution nahekommt, wenn das erschütternde Schicksal einer zum Untergang verdammten Frau vorüberzieht, dann offenbart sich ein Bild unserer Zeit, das sicher viele betroffen machen wird. Dieser Film soll der Besinnung dienen. Und er dient der Bewahrung der Liebe. Damit erst rechtfertigt er sich vor der Öffentlichkeit.« [...]
Er sieht das Sichtbare, die aus dem Bilde entstehende Atmosphäre auch im Tonfilm als das Wichtigste an, und hier begegnet er sich mit seinem Kameramann Georg Bruckbauer, dem Schöpfer der berühmten Romanze in Moll. Sie haben gemeinsam versucht, in der Strassenbekanntschaft nicht allein Typen zu zeigen, sondern zugleich immer die Umwelt in die Szene mit einzubeziehen. Eine bestimmte Technik der Kamera, die überwiegend mit Weitwinkel-Objektiven arbeitet, gestattete ihnen, das Milieu optisch zu durchdringen und neuartige Bildwirkungen zu erzielen.
lt.: Ohne Tendenz und Sensation
Berliner Zeitung, 8.4.1948
Dem Dilemma bei derlei Aufklärungsfilmen wird man nie ganz entrinnen können; sie haben einem eindeutigen Zweck zu dienen und sollen trotzdem spannende Spielfilme sein. Hier geht es nun um Aufklärung und Warnung vor den Geschlechtskrankheiten, die gegenwärtig so katastrophal in Deutschland grassieren. Die Hersteller sind sich anscheinend darüber klar, daß es nur ein Mittel dagegen gibt, nämlich auskömmliche Ernährung, die Schaffung würdiger sozialer Lebensverhältnisse. Bis dahin darf man freilich auch nicht die Hände in den Schoß legen, man muß vor allem mit der erschreckenden Bedenkenlosigkeit unter den jungen Menschen aufräumen. [...]
Es ist der Defa zu bescheinigen, daß sie sich mit Geschmack und sichtlichem Bemühen ihrer nicht ganz leichten Aufgabe entledigt hat. Eine Zahl guter und bekannter Darsteller hat sich in den Dienst der entschieden aktuellen Aufgabe gestellt, und wenn der Regisseur ein besseres Textbuch gehabt hätte, wäre ihm vieles wahrscheinlich noch besser geglückt. Was an diesem Film schlecht und anfechtbar ist, geht auf das Konto dieses Textbuches. Der Regie gelingt es ohne weiteres, das arme und hungrige Leben sauber und realistisch einzufangen, eine Plättstube etwa, zwei wartende Straßenbahnschaffnerinnen, wartende Frauen in einer Klinik. Sobald aber die Verworfenheit gezeigt werden soll, die Stätte der Verkommenheit, der Verführung, ist es mit der Vorstellungskraft des Autors zu Ende. Da gibt es veraltete Klischees, wie man es von zahlreichen Ufa-Stummfilmen aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, wo ja mit ähnlichen Nöten gerungen wurde, sehr viel besser und gültiger in Erinnerung hat.
W. Lg.: Straßenbekanntschaft
Berliner Zeitung, 16.4.1948