cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

Pressemitteilungen zum cinefest

PM cf09 / 09.10.2009: cinefest 2009
Willy Haas-Preis 2009




Gisela Trowe kommt zum cinefest!
Am Montag, den 16.11., wird Gisela Trowe bei der Vorführung von STRASSENBEKANNTSCHAFT anwesend sein, in dem sie 1947 ihr Spielfilmdebüt gab.


Cinefest 2009
Schatten des Krieges. Innovation und Tradition im europäischen Kino 1940-1950


Unter dem Motto Schatten des Krieges beschäftigt sich CineFest 2009, das VI. Internationale Festival des deutschen Film-Erbes, erneut mit der Filmproduktion der 1940er Jahre. Im Fokus stehen diesmal die unterschiedlichen Reaktionen europäischer Filmmacher auf Krieg und Nachkriegszeit und ihre ästhetischen Strategien bei der »Bewältigung« von Vergangenheit und Gegenwart: Wie haben Filmregisseure in verschiedenen europäischen Ländern auf das Chaos um sie herum reagiert? Welche künstlerischen Lösungen fanden sie, um die humane und kulturelle Katastrophe zu bewältigen? Griffen sie dabei auf bewährte Stilmittel zurück, nahmen sie ältere Traditionen wieder auf oder entwickelten sie neue filmästhetische Strategien?

Auf neue Formen und Stilmittel setzten vor allem die sogenannten »Trümmerfilme«: Surrealistische Traumsequenzen prägen Liebeneiners Heimkehrer-Drama Liebe 47 (DE 1948/49, nach Borcherts Bühnenstück »Draußen vor der Tür«), Helmut Käutners In jenen Tagen (DE 1946/47) verknüpft prägnante Episoden zu einem Panorama menschlichen Verhaltens im »Dritten Reich«, Rudolf Jugert verbindet eine Liebesgeschichte in den Wirren von Krieg und Nachkrieg mit ironischen Reflexionen über das Filmmachen nach der »Stunde Null« (Film ohne Titel, DE 1947/48).

Für unterschiedliche Annäherungsversuche an die Themen Antisemitismus und Holocaust stehen der dokumentarische Spielfilm Lang ist der Weg (DE 1948, Herbert B. Fredersdorf, Marek Goldstein) über das Schicksal der jüdischen Displaced Persons und G. W. Pabsts Historiendrama Der Prozeß (AT 1947/48) um einen angeblichen Ritualmord im 19. Jahrhundert.

Den Wiederanschluss an durch die NS-Zeit unterbrochene Traditionslinien suchten Georg C. Klarens vom Caligari-Expressionismus inspirierte Büchner-Adaptation Wozzeck (SBZ 1947) und der österreichische »film noir« Prämien auf den Tod (1949, Curd Jürgens, mit Werner Krauss in seiner ersten Nachkriegsrolle). Auf das Weimarer Kino und den französischen Vorkriegsfilm verweisen die faszinierenden Bilderwelten des eigenwilligen Stilisten Peter Pewas in seinem von der Nazi-Zensur verbotenen Melodram Der verzauberte Tag (DE 1943/44) und dem eindringlichen DEFA-Aufklärungsdrama Strassenbekanntschaft (SBZ 1947/48, zu Gast: Hauptdarstellerin Gisela Trowe). Ein deutscher Versuch in Neorealismus ist Fritz Kirchhoffs St. Pauli-Film Nur eine Nacht (DE 1949/50), der Hans Söhnker und Marianne Hoppe auf einer Sauftour durch den Kiez begleitet.

Gesellschaftliche Realitäten und ideologische Beeinflussung im Genrefilm der 1940er Jahre veranschaulichen Kriminalfilme aus unterschiedlichen politischen Systemen. Während die NS-Kriminalpolizei als perfekte Maschinerie internationale Fälscherbanden (Falschmünzer, DE 1940, Hermann Pfeiffer) und mordende Heiratsschwindler (Ferdinand Marian in Die Nacht der Zwölf, DE 1944/45, Hans Schweikart) zur Strecke bringt, reiben sich im DEFA-Krimi Razzia (SBZ 1946/47, Werner Klingler) aufrechte Kommissare im wilden Nachkriegs-Berlin beim Kampf gegen gewissenlose Penicillinschieber auf. Als Thriller und Gerichtsdrama inszeniert ist Paul Mays Duell mit dem Tod (AT 1949), die erste filmische Würdigung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Dokumente der Auseinandersetzung mit dem Widerstand und der Kollaboration der Bevölkerung in den während des Krieges vom Deutschen Reich okkupierten Ländern sind Le silence de la mer (FR 1947/48), Jean-Pierre Melvilles psychologisches Kammerspiel um einen frankophilen Wehrmachts-Offizier, René Cléments dokumentarisches Eisenbahner-Drama La bataille du rail (FR 1945) und der Widerstands-Thriller De røde Enge (1945) der dänischen Regisseure Lau Lauritzen und Bodil Ipsen. Das Leiden der polnischen Bevölkerung unter den Besatzern und die Verfolgung der polnischen Juden stehen im Mittelpunkt von Aleksander Fords Ulica Graniczna (PL 1948/49).

Auf welch unterschiedliche Weise britische Filme der Kriegszeit das Militär und seine Angehörigen schilderten, zeigen das Technicolor-Biopic The Life and Death of Colonel Blimp (GB 1942/43) von Michael Powell und Emeric Pressburger und Carol Reeds The Way Ahead (GB 1944), eine realistische Studie über die konfliktreiche Verwandlung von Zivilisten in Soldaten.

Als Sondervorführung läuft der Film Overlord (GB 1975, zu Gast: Regisseur Stuart Cooper, angefragt), der eine Spielhandlung um das Schicksal eines jungen Rekruten stilsicher in historisches Archivmaterial über die britischen Vorbereitungen auf die Invasion in der Normandie einbettet.

Alle Filme werden mit einer Einführung gezeigt.

Beim 22. Internationalen Filmhistorischen Kongress wird das Thema in Vorträgen und Diskussionen noch weiter vertieft. Für die Teilnahme am Kongress ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Cinefest-Foren – Gespräche mit Fachleuten und Interessierten, jeweils von 14.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei. Weitere Informationen zu den Foren erhalten Sie demnächst mit einer gesonderten Pressemitteilung sowie auf unserer Website www.cinefest.de.


Willy Haas-Preis 2009


Pressemitteilung als pdf-Download

Der Willy Haas-Preis ist der einzige deutsche Preis, der eine bedeutende internationale Publikation zum deutschsprachigen Film bzw. zum Film in Deutschland und Europa auszeichnet. Den Rahmen für die  Auszeichnung bietet das CineFest – Festival des deutschen Film-Erbes in Hamburg. Die Jury 2009 besteht aus Thomas Ballhausen (Wien), Kay Hoffmann (Stuttgart), Anne Jespersen (Kopenhagen), Sabine Hake (Austin, Texas), Roel Vande Winkel (Ghent). Zur Auswahl standen zahlreiche internationale Publikationen, die in den letzten zwei Jahren erschienen sind.
Die Jury hat sich auf folgende Kandidaten in den Kategorien Buch und DVD nominiert:

Kategorie Bücher:

Die Antifaschismus-Thematik der DEFA.

Anne Barnert. Marburg: Schüren 2008.
Mit ihrem Buch zum Antifaschismus im DEFA-Spielfilm gelingt Anne Barnert eine interessante Detailstudie, die die Filmproduktion in einen gesellschaftlichen und kulturpolitischen Rahmen stellt und eine Brücke schlägt zu neueren Theorieansätzen. 

The Cinema of Werner Herzog: Aesthetic Ecstasy and Truth.
Brad Prager. London: Wallflower Press 2007.
Herzog ist ein Ausnahmeregisseur, der die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, zwischen Realität und Fantasie mit seinen Inszenierungen ständig bricht. Brad Prager konzentriert sich in seinen Analysen genau auf diesen Aspekt und liefert eine überzeugende Interpretation von Herzogs Filmen.

Michael Haneke's Cinema. The Ethic of the Image.
Catherine Wheatley. Oxford, New York: Berghahn Books 2009.
Die Filme des Österreichers Michael Hanecke gehen an den Rand des Erträglichen. Catherine Wheatley nähert sich ihnen mit einem philosophischen Blick und entwickelt dabei eine Ethik der filmischen Wahrnehmung. Im September Sight&Sound-"Book of the Month".

Sprachversionsfilme aus Babelsberg. Die internationale Strategie der Ufa 1929-1939.
Chris Wahl. München: edition text + kritik 2009.
In der Frühzeit des Tonfilms wurden von der Ufa für den Export verschiedene Versionen eines Films gedreht. Wahl hat sich diesem Kapitel gewidmet und arbeitet die Strategien und Nuancen der Sprachversionen heraus. Eine DVD bietet die Möglichkeit, einige Beispiele nachzuvollziehen.

Die unheimliche Maschine: Rasse und Repräsentation im Weimarer Kino.
Tobias Nagl . München: edition text + kritik 2009.
Die Rolle von Farbigen in den Filmen der Weimarer Republik stellt Nagl in einen theoretisch fundierten Gesamtkontext von nationaler Identität und kolonialen Träumen. Ihm gelingt dabei eine spannende Analyse, die nichts an Aktualität verloren hat, denn es geht um das gesellschaftliche Verhältnis zum Fremden.


Kategorie DVD:

Berlin, die Sinfonie der Großstadt & Melodie der Welt. Walther Ruttmann. (1927 + 1929)
film & kunst GmbH. Edition Filmmuseum 39. Filmmuseum München, Bundesarchiv-Filmarchiv, ZDF/Arte.
Neben den zwei wichtigsten Filmen Ruttmanns enthält die Edition auch seine Farb- und Musikexperimente 1921-31. Der ROM-Bereich ermöglicht den Zugriff auf zeitgenössische Artikel, Veröffentlichungen und Quellen. Dies Material bietet einen neuen Zugang zum frühen Werk Ruttmanns.

Nerven. Robert Reinert. (1919)
film & kunst GmbH. Edition Filmmuseum 41. Filmmuseum München, Goethe-Institut München.
Der Klassiker des expressionistischen Kinos wurde gleich nach der Premiere verstümmelt und vergessen. Das Filmmuseum München hat Reinerts Film umfangreich restauriert; die Musikbegleitung stammt von Joachim Bärenz. Die DVD liefert außerdem Bonusmaterial wie den Szenenvergleich verschiedener erhaltener Fassungen, Plakate und Fotos und dokumentarische Aufnahmen der Münchener Räterepublik. Die Broschüre erläutert die Restaurierung und gibt eine historische Einordnung des Films.

Filmverlag der Autoren Edition.
Kinowelt
Der Filmverlag der Autoren war der wichtige Verleih und Produzent für den Neuen Deutschen Film. Es ist ein ambitioniertes Projekt, 50 seiner Filme zu veröffentlichen, davon fast die Hälfte als Erstveröffentlichung. So wird ein bedeutendes Kapitel deutscher Filmgeschichte verfügbar.

Die freudlose Gasse. G. W. Pabst. 1925
Filmarchiv Austria (Film + Text 10) + Buch: Armin Loacker (Hg.): Wien, die Inflation und das Elend. Essays und Materialien zum Stummfilm Die freudlose Gasse.
Das Filmarchiv Austria überzeugt seit langem mit seinen sehr sorgfältig editierten Ausgaben von DVDs und Begleitbüchern. Die Edition von G. W. Pabsts Stummfilmklassiker ist eine Annäherung an das vielfach durch die Zensur verstümmelte Original. Sie besticht durch die technische Qualität der viragierten Fassung und überrascht durch ihre experimentelle Vertonung. Das Begleitbuch vertieft die Analyse des Films aus verschiedenen Perspektiven und bietet eine Grundlage für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Film.

Harun Farocki Filme 1967-2005
absolutMedien
Harun Farocki gehört – auch international – zu den anerkanntesten deutschen Dokumentaristen der letzten Jahrzehnte. Diese Edition veröffentlicht 20 seiner wichtigsten Werke und ermöglicht endlich eine intensive Auseinandersetzung mit seinen oft provokativen Filmen, für die er einen spezifischen essayistischen Stil entwickelt hat.


Die Sieger werden bei der Eröffnung des 22. Filmhistorischen Kongresses am 18. November in Hamburg bekannt gegeben.

english version


cinefest 2009 Trailer

Ankündigungsflyer cinefest 2010 (pdf)

cinefest 2010 findet in Hamburg vom 13. - 21. November statt. Ankündigungsflyer ist als pdf-Download verfügbar




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