Der deutsche Animationsfilm zwischen 1940 und 1950 schöpfte aus dem enormen gestalterischen Reichtum, den der animierte Werbefilm in den 20er und 30er Jahren in Deutschland angesammelt hatte. Dessen künstlerisches Personal bestimmte weiterhin die Erscheinungsbilder und schrieb seinen Formenkanon und seine erprobten stilistischen Eigenheiten fort. Gemeinsam mit ihnen bildeten die Innovationspotentiale des Genres eine - zeitweilig ungewisse - Chance für die Zukunft. Dieser tragfähige Humus musste freilich stets aufs Neue beackert, gedüngt und gepflegt werden.
Erhebliche personelle, materielle und technische Einschränkungen infolge Krieg und Nachkrieg, sich verändernde Abspielmöglichkeiten und Verschiebungen in den Zuschauerstrukturen wirkten auf die Kunst des Animationsfilms insofern zurück, als sie Themen- und Figurenauswahl, Fabelstrukturen und Zielabsichten modifizieren und rabiat mit aktuellen Bedingungen kurzschließen musste.
Die permanente ästhetische Rivalität zum Disney-Kosmos blieb hemmend und zugleich latent belebend.
In werbefreien, allgemein märchenhaften, ideenreichen und fabulierfreudigen Kurzanimationsfilmen fand der deutsche Animationsfilm in schwieriger Übergangszeit ein gefährdetes und schmales, jedoch solides und ausbaufähiges Brückenfragment zur Nachkriegsmoderne, das sich in seltsamem Gegensatz zu den gesellschaftlichen Umbrüchen findet.