cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes
Heike Klippel, Braunschweig
Verbrechen und Leidenschaft. Deutsche und österreichische Kriminalfilme der 1940er Jahre
Das Verbrechen als eines der beliebtesten Themen des Kinos steht immer im Schnittpunkt zwischen Unterhaltung und Belehrung, denn gerade die Gesetzesübertretung kann nicht fern von der gesellschaftlichen Realität verhandelt werden. Für die 40er Jahre des deutschsprachigen Films stellt sich zunächst die Frage, ob sich Bezüge oder Reflexionen der Zeitgeschichte, des Faschismus und der Kriegs- und Nachkriegserfahrung feststellen lassen und in welcher Weise sie filmisch umgesetzt werden. Dabei wird es auch darum gehen, die Filme in ihrer Situierung in der Filmgeschichte zu betrachten und zu kontextualisieren; z.B. zu fragen, ob es Rückgriffe auf die Ästhetik der Weimarer Republik gibt, ob sich Parallelen zu amerikanischen Genres wie Gangsterfilm oder Film Noir finden, oder ob eigenständige Formen zu beobachten sind.
Eine weitere Fragestellung richtet sich darauf, wie sich der Bruch von 1945 in der Filmproduktion abzeichnete. Das nationalsozialistische Kino hielt jedes Konfliktpotenzial unter Kontrolle und führte den Diskurs über Kriminalität in zwei eher disparaten Bereichen, einmal dem des Polizeifilms, zum anderen in Filmen mit melodramatischen Elementen. Das Nachkriegskino dagegen ist durch Widersprüchlichkeiten bestimmt: Es ist unter der Aufsicht der Alliierten einem Neuanfang verpflichtet und kann nach der Isolation wieder in Kontakt zu internationalen filmischen Entwicklungen kommen, ist aber gleichzeitig durch eine starke Kontinuität, personell, wie stilistisch, gekennzeichnet. Dies schlägt sich in sehr heterogenen Produktionen nieder, für die die Bezeichnung »Kriminalfilm« zwar zutrifft, die aber keine deutliche Genreausprägung erfährt und sich in ein breites Spektrum auffächert.