
Ein Film »zum Ruhm der Eisenbahner Frankreichs« nach authentischen Ereignissen: Im besetzten Frankreich nutzen die Deutschen ab 1940 das französische Eisenbahnnetz für ihre Zwecke, zum Beispiel Militärtransporte. Doch die Eisenbahner schließen sich zusammen und leisten Widerstand. Der erste Teil des Films zeigt, wie die Franzosen mit vielen kleinen Aktionen die Okkupanten behindern: Sie schmuggeln, funken Nachrichten an die Alliierten, leiten Züge um und unternehmen alles, um deutsche Transporte zu verzögern. Dabei setzen sie ihr Leben aufs Spiel: Gefasste Saboteure werden von den Deutschen an die Wand gestellt und erschossen. Der zweite Teil des Films schildert, wie Eisenbahner und Kämpfer der Résistance den Geleitzug »Apfelkern« angreifen, der nach der Landung der Alliierten in der Normandie deutschen Nachschub an die Invasionsfront bringen soll. In einer opferreichen Schlacht gelingt es den Eisenbahnern, den Konvoi aufzuhalten. Schließlich sind die Deutschen besiegt, und die Züge fahren wieder durch ein freies Frankreich.
A film, based on real events, that portrays “the glory of the railway workers of
Man muss zuerst sagen, was der Film seinem Kameramann Henri Alekan verdankt. Ich weiß nicht, ob man einem Agostini, einem Louis Page, einem Rudolf Maté immer gerecht wird. Und doch, wie viele Filme haben sie gerettet, die ohne sie einfach nur Schund gewesen wären! Und oft hätten sie es verdient, vor dem Drehbuchautor genannt zu werden. Clément und Alekan scheinen ein solides Team zu bilden, da sie bei La belle et la bête zusammengearbeitet haben, und man ihre Unterstützung Jean Cocteaus in den höchsten Tönen gelobt hat.
Für die Bataille du rail bedurfte es sehr bewanderter Techniker, denn ursprünglich sollte es ein kurzer Dokumentarfilm über die Résistance der Eisenbahner werden. Als der Film dann aber im Laufe der Dreharbeiten die Proportionen eines großen Spielfilms annahm, verlangte diese Entwicklung seltene Anpassungsfähigkeiten; außerdem wurde hauptsächlich im Freien gedreht, was, wie man weiß, die Arbeit der Kameramänner ungemein erschwert, denen im Studio tausend Möglichkeiten zur Verfügung stehen, von denen die Natur nur wenige zu bieten hat.
Wenn die glückliche Ausnutzung des natürlichen Lichts, die Gleichmäßigkeit der Bilder und die Suche nach dem richtigen Aufnahmewinkel dem Fachgebiet von Alekan zuzuordnen sind, dann schulden wir René Clément den Geist eines Films, der seinesgleichen sucht. Zunächst ist es ihm gelungen, aus seinen unerfahrenen Darstellern, zum Großteil Laien, Leistungen herauszuholen, die dem Film einen anrührenden Charakter von Authentizität verleihen.
Zudem hat er den Sinn für das charakteristische Detail, das uns fortwährend ins alltägliche Leben eintauchen lässt. Auf dieses Weise schafft er es, eine Handlung in die Wirklichkeit zurückzuholen, die so oft dazu neigt, ins Unwirkliche abzugleiten: die Spinne, die der Verurteilte erblickt, der gebannt auf den tödlichen Schuss wartet; das Glühwürmchen, das vom Widerstandskämpfer auf der Böschung entdeckt wird; das Streichholz, das nicht zünden will, wo doch jede Sekunde zählt; die Wäsche, die von den Soldaten des liegengebliebenen Panzerzugs aufgehängt wird; das Akkordeon, das heil zwischen die zerquetschten Waggons fällt; die Fahne, die abwechselnd gehisst und eingeholt wird; der kleine Hirte, der seine Schafe einsammelt und sich zurückzieht, nachdem er einen Blick in den Waggon des rätselhafterweise aufgegebenen Zuges geworfen hat. [...]
Ja, es sind diese tausend Details, die so bewundernswert in die Handlung integriert sind, die der Bataille du rail ihren großartigen Charakter verleihen und verhindern, dass der Film den vielen Résistance-Erzählungen gleicht, die sie uns alle kategorisch in den Farben von Glanzbildchen malen.
Dennoch besitzt dieser Film eine weitere, noch bemerkenswertere Qualität, das ist sein Schnitt. Er besteht aus sehr kurzen Sequenzen, aber so geschickt, dass es uns nicht ermüdet und den Eindruck eines Flimmerns hervorruft; diese Technik ist dem aus hundert verschiedenen Handlungen bestehenden Gegenstand angepasst, deren einziger Zusammenhalt der Wunsch ist, uns den Widerstandsgeist der Eisenbahner fühlbar zu machen.
La bataille du rail
Les Nouvelles littéraires, 7.3.1946
Es ist gut, nach dem ausgezeichneten und mutigen Film Rote Wiesen auch noch den 1946 bereits in Cannes preisgekrönten französischen Streifen Schienenschlacht zu sehen. Das ist ein in jeder Beziehung erstaunliches im Inhaltlichen und Künstlerischen nicht minder großes, wenn auch anders geartetes Werk als Rote Wiesen. Es ist gut, daß unserem Publikum dieser Film zugänglich gemacht worden ist, weil es durch ihn einen weiteren Eindruck von dem die Völker ganz Europas umspannenden Widerstands- und Befreiungskampf gegen den Faschismus erhält.
Was aber noch wichtiger zu sein scheint: Die Zeit macht ihn von selbst zu weit mehr als einer Ehrung der Helden der Resistance. Sie macht ihn zum Aufruf, zur Aufforderung, und schließlich zeigt der Film, daß das neue Deutschland auch im Westen große, starke, kampferfahrene Freunde hat, Verbündete in seinem Kampf gegen den deutschen Imperialismus von heute.
Geschaffen wurde der Film mit Unterstützung der Führung der Widerstandsbewegung von der französischen Filmgewerkschaft und der der Eisenbahner. Von deren aufopferungsvollem, mutigen Kampf gegen die faschistischen Okkupanten berichtet er. Das Wort »berichtet« wurde mit Bedacht gesetzt; denn die Form des Filmes dürfte man am ehesten mit Bericht bezeichnen können. Er gibt wahre Tatsachen wieder. Angesichts dieser Tatsachen kann er darauf verzichten, die Phantasie zu bemühen. Die Taten der französischen Eisenbahner waren so heroisch, der Mut und die Hingabe dieser Menschen so beispielhaft, daß jede Ausschmückung nicht nur fehl am Platze gewesen wäre, sondern sich von selbst verbot. Schienenschlacht hat auch keine individuelle Fabel. Der Film benötigt sie nicht. Sein Held ist das französische Volk. [...]
Es widerstrebt einem, in Verbindung mit diesem Film das Wort Pathos auszusprechen. Spricht man heute von Pathos, so tut man es abfällig und meint damit das unechte, hohle Pathos, das manchen Werken der vergangenen Jahre eigen war. Hier ist wahres Pathos. Hier ist die todesmutige Entschlossenheit des Lokomotivführers, der einen Zug fährt, von dem er weiß, daß er in die Luft gesprengt wird. Da ist das Gesicht eines Arbeiters, der von den Faschisten erschossen wird. Äußerlich ist es gefaßt; unter der Oberfläche aber tobt der Kampf. Er wird nicht unterschlagen, und so kommt es, daß die Haltung des Arbeiters nur noch bewunderungswürdiger wird. Pathos, das vom Menschen nicht abstrahierte Pathos das hat der Film, das macht ihn groß. Es soll auch nicht vergessen werden, daß er in hohem Maße spannend ist. Seriös und spannend, ernsthaft und packend schließen einander also nicht aus.
sl: Dank an das französische Volk
Freiheit, 2.2.1956