
Im Nachkriegs-Wien wird der Physik-Professor Ernst Romberg verhaftet und vor ein amerikanisches Militärgericht gestellt. Ihm wird vorgeworfen, während des Krieges als hoher SS-Offizier bei einem Verhör den tschechischen Schneidermeister Franz Lang ermordet zu haben. Zeugen bestätigen die Vorwürfe, aber Romberg liefert eine andere Darstellung der Ereignisse: 1942 wird er wegen politischer Äußerungen von der Universität entfernt und zur Wehrmacht eingezogen. Mithilfe einer gestohlenen SS-Uniform gelingt es Romberg zu desertieren und in die Berge zu fliehen. Gemeinsam mit seiner Frau und einem Priester baut er in Österreich eine Widerstandsgruppe auf, die mit SS-Uniformen und einem gefälschtem Dienstsiegel vom Tode bedrohte Häftlinge aus der Gewalt der Gestapo befreit und in Sicherheit bringt. Aufgrund einer Verwechslung befreien sie den harmlosen Schneidermeister Lang, der dann durch sein Wissen um die Organisation zu einer Gefahr für die ganze Gruppe wird. Romberg steht nun vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.
Ernst Romberg, professor of physics, is put on trial at an American military court in post-war
Vielleicht ist es schon ein Fortschritt, wenn überhaupt vom Westen her heute ein Film kommt der sich so ernsthaft und eindeutig gegen die Greuel der Hitlerzeit wendet, wie jetzt in der Filmbühne Wien eine Produktion von G. W. Pabst, das Duell mit dem Tod. [...]
Dennoch, ja zu sagen wie gerne möchte man einmal! ist auch hier unmöglich. Zu dicht ist der Kern an Wahrheit von Unrichtigem überlagert, zu oft das Richtige aus der falschen Perspektive gesehen. Bisweilen wird man im Innersten gepackt, ist die echte Empörung da, die der ganze Film auslösen müßte. Selten genug, leider. Aber diese phantasievolle Story vom geflüchteten Hitler-Soldaten, der in nachgemachter SS-Uniform mit nachgemachtem Reichs-Sicherheits-Hauptamts-Dienstsiegel zum Retter der Gestapo-Opfer wird was wird sie unter der Regie und im Drehbuch Paul Mays (den man manchmal fast mit seinem Namensvetter Karl vergleichen möchte) anders als ein raffiniert erzählter Kriminalroman? Wie wird die ganze Résistance auf solche Weise bagatellisiert! [...]
Was der Film verschweigt und vielleicht seines bayrischen Ursprungs wegen verschweigen muß , gerade das ist das Entscheidende. Der Widerstand als aktiver, seinem ganzen Wesen nach ausschließlich politischer Kampf gegen ein todwürdiges System, die Organisation der nicht vom Zufall zusammengeführten, sondern von der Gemeinsamkeit der politischen Anschauung her Zusammengehörigen, die ungezählten Tausende aufrechter Antifaschisten in den Konzentrationslagern das alles ist in diesem einseitig beleuchteten Zeitbild nicht vorhanden. Aus welchen Gründen mag getrost dahingestellt bleiben. Aber wichtig und dringlich genug wäre es mit der Zeit, endlich den Film vom deutschen Widerstand zu drehen, der die Wahrheit richtig und die ganze Wahrheit zeigt.
Hans Ulrich Eylau: So war es nicht! Duell mit dem Tod, ein westlicher Widerstandsfilm
Berliner Zeitung, 2.8.1950
I
»Meinen Sie nicht«, so fragte ein Reporter den Regisseur und Drehbuchautor Paul May, »daß dieser Film für manche die Wirkung eines Schocks haben kann?« »Solange die Welt«, soll May geantwortet haben (es ist nun schon eine Weile her), »den Deutschen Demokratie auf der Grundlage der Kollektivschuld beibringen will, sind die Deutschen, die gegen den Terror standen, berechtigt und verpflichtet, diese Welt an den eigentlichen Sinn der Demokratie zu erinnern. Ein Schock? Ich hoffe es.«
II
So meinte er's und aus jener Atmosphäre der Kollektivschuld-Jahre stammt sein protestierender, energiegeladener, aus moralischem Grimm und gutem Gewissen gleichsam mit der Faust auf diverse Tische schlagender Film. Es hat lange gedauert, bis er den Weg in die Kinos fand. Man traute sich nicht. Damals sagten die Ablehnenden: »Sehr effektvoll aber verfrüht!« Heute traut man sich endlich, und nun sagen die Gegner dieses Films: »Sehr effektvoll aber zu spät!« So geht es, in diesen Jahren, mit den Leuten, die sich nicht trauen.
III
Er hat es nicht leicht, dieser Film, der ohne Zweifel zu den erregendsten Nachkriegsfilmen in deutscher Sprache gehört. Einmal zu früh und einmal zu spät, einmal zu aktuell und dann wieder nicht aktuell genug wie steht es nun wirklich damit? Sofern er die Wahrheit sagt, ist er nicht veraltet. Die Wahrheit ist immer aktuell. Sofern er gut ist, ist er nicht überholt. Das Gute kommt nie zu spät.
IV
Fragt sich, ob er die Wahrheit sagt. Sein Held ist etwas wie ein heroischer Hauptmann von Köpenick. In tarnender SS-Uniform vollbringt er mit einer kleinen Widerstandsgruppe Taten der Freiheit: Gefangene rettend, helfend und ausharrend auf verlorenem Posten und am Ende, den Nazis entronnen, von den Amerikanern vor Gericht gestellt. Die Uniform, die hier zum nachgerade magischen Symbol wird, täuschte die einen wie die andern. Gab es das? Es gab Ähnliches. In der hier gezeigten Form, abenteuerlich überspitzt und reißerisch konstruiert, gab es dergleichen kaum. So einfach war es nicht, mit dem totalen Staat fertig zu werden; so leichtfertig leider arbeitete seine böse Mechanik nicht. Doch nimmt man jene Übertreibungen als bewußte Vereinfachung, als bewußte Überhöhung diffizilerer und verworrenerer Tatbestände und als dichterische Freiheit einer Geschichte vom deutschen Widerstand, die zwar fabuliert, aber nicht fälscht: dann sagt der Film denn diese Art des Widerstandes existierte und soll nicht vergessen werden die Wahrheit.
V
Fragt sich, ob er gut ist, dieser halb dokumentarische, halb kriminalistische Film. Seine Rasanz, sein raffinierter Rhythmus, seine vibrierende Spannung ist immer noch atemberaubend. Dergleichen ist kaum einem unserer Nachkriegsfilme gelungen. Und nur wenige unserer Nachkriegsfilme hatten diesen zupackenden filmischen Stil. Der doppelte Ablauf der gleichen Szenen etwa (erst aus der Ankläger-Perspektive gesehen und dann so, wie es wirklich war) oder die Flucht-Passagen auf dem umstellten Bahnhof, in denen die Kamera mit den Augen des Flüchtenden sieht und die sich auszuweiten scheinen zum symbolischen und gleichwohl realistischen Schlüsselbild der Gesamtsituation jener Jahre das ist faszinierend.
Gunter Groll: Duell mit dem Tod Ballade der Illegalen
Süddeutsche Zeitung, 2.11.1950