
Die schöne Betrügerin Juliette Balouet bringt im Auftrag von Gaston de Frossard, dem Kopf einer international operierenden Geldfälscherbande, in Italien Falschgeld in Umlauf. Da ihr Grafiker nachlässig arbeitet, ist ihre neue Banknote fürs geübte Auge als Fälschung zu erkennen. Die Verbrecher zwingen deshalb den jungen Grafiker Herbert Engelke durch Erpressung zur Mitarbeit. Herbert bricht daraufhin den Kontakt zu seiner Verlobten Hanna ab. Als er miterleben muss, wie ein einfacher Toilettenmann, der einen gefälschten Geldschein angenommen hat, sich das Leben nimmt, geht er jedoch zur Polizei. Juliette verliebt sich in den Kunstsammler Professor Bassi, will sich von den Verbrechern lösen, wird aber enttarnt. Als das Netz sich um die Bande zusammenzieht und die Polizei den Sitz der Bande in der Schweiz stürmt, begeht Juliette Selbstmord. Herbert kann wieder seine Verlobte Hanna in die Arme schließen.
Beautiful swindler Juliette Balouet circulates counterfeit money in Italy on behalf of Gaston de Frossard, head of an internationally active gang of counterfeiters. Unfortunately, due to a sloppy job done by a graphic artist, a practiced eye can easily identify the new note as a fake. On that account, the criminals blackmail young graphic artist Herbert to work for them. Consequently he cuts off all contact with his fiancée Hanna. Having witnessed a simple lavatory attendant committing suicide after unknowingly taking a counterfeit bank note, Herbert goes to the police. Juliette falls in love with art collector Professor Bassi and decides to change her ways, but before she can separate herself from the criminals, she is unmasked. When the net of the SS detectives around the counterfeiters tightens and the police storm the gang’s base in Switzerland, Juliette takes her own life. Herbert, however, is finally able to embrace his fiancée Hanna again.
Wie arbeitet die Polizei wirklich? Das ist die Frage, die auch dieser Film beantwortet. Er ist geschrieben und inszeniert mit dem Bewußtsein ernster Verantwortung, nämlich der, das Publikum über die exakte polizeiliche Fahndungsarbeit aufzuklären, die im Falle der Falschmünzerei entfaltet wird. Die das Falschgeld vertreibenden Verbrecher finden Eingang über einen Grenzort, und hier setzt die Ermittlung der Sicherheitsorgane ein, um in logischer Kleinarbeit ans Ziel zu gelangen und die Schuldigen ihrem Schicksal zuzuführen. Mögen die Fälschungen noch so geschickt gemacht sein, immer gibt es unvermeidbare Unterschiede zwischen echtem Geld und nachgemachtem; das Publikum muß sich selbst dazu erziehen, jeweils diese Unterschiede zu entdecken und damit der Polizei die Verfolgung ihrer Spur zu ermöglichen. Sehen lernen das ist eigentlich die Aufgabe, vor die auch das Publikum bei der Ermittlung von Falschgeldbanden gestellt ist. Sehen lernen, beobachten und melden: darin besteht die Mitarbeit des Publikums an der polizeilichen Fahndung. Der Film Falschmünzer mischt den Ernst gut mit dem Scherz; nicht alles ist düster, was im düsteren Milieu geschieht. Und nicht alle, die sich in Verbrechen verstrickt haben, sind mit ihrem Los zufrieden: bei den bessern schläft die gute Sehnsucht nach dem gemeinsamen Leben der Rechtlichen nie.
Paul Ickes: Falschmünzer
Filmwoche, Nr. 49, 1940
Dieser Kriminalfilm, der in zwei Berliner Theatern gleichzeitig lief, fand eine goldene Mittelstraße zwischen dem Bestreben, dem wirklichen Geschehen und seiner filmischen Vermittlung gerecht zu werden, und der Notwendigkeit, die Handlung durch schmückende Episoden aufzulockern und sie im dramaturgischen Sinn spannender zu gestalten. Per Schwenzen und Walter Maisch, die das Drehbuch schrieben, zeigten die verantwortungsvolle Arbeit der Kriminalpolizei auf, die eine internationale Falschmünzerbande zur Strecke bringt. Dass hierbei der Schurke schurkisch, die mit den Verbrechern nur widerwillig paktierende Frau innerlich schwankend und zerrissen, das liebende Mädchen zweifelnd und schließlich gläubig, der mit Erpressung bedrohte junge Mann in der Situation des unschuldig Verstrickten gezeigt wurde, war nur ein Genügen gegenüber den ungeschriebenen Gesetzen des Kriminalfilms. Denn soweit geht der paradoxe Widerstreit zwischen härtester Wirklichkeitstreue und filmischem Umschreibungszwang, dass jede harmlose Maske, unter der der Asoziale erscheint, sogleich als solche erkannt wird. Dennoch hat dieser Film und das ist ein Geschicklichkeits-Ausweis für seine Autoren von der ersten bis zur letzten Szene gefangen genommen. Die sehr lebendige Handlung ist so farbig und spannend aufgebaut, dass Parkett und Rang ihr mit höchstem Interesse folgen. Und wenn nun gar in den Schlusszenen die Schweizer motorisierte Polizei sich donnernd und dröhnend in Bewegung setzt, um die Falschmünzerwerkstatt zu umstellen, geht ein zustimmendes Raunen durchs Filmtheater: ein deutliches Zeichen für die Wirkung dieses mit künstlerischem Anspruch gemachten Werks.
Hans-Walther Betz: Spannender Kriminalfilm Falschmünzer
Der Film, Nr. 47, 23.11.1940
Soweit der [...] Film den Weg einer Wirklichkeitsreportage, eines Tatsachenberichts geht, ist er ein Film, der fesselnde Eindrucke vermittelt in spannend gestalteten Bildfolgen, die den Einsatz der Polizei bei der Verbrechensbekämpfung zeigen und das Publikum vor falschem Verhalten, vor falschen Schritten auf das wirksamste warnen. Leider enthält der Film auch eine romanhafte Liebesgeschichte, in der ein in den Gefahrenkreis einer späten Liebe geratener Kunstprofessor und die elegante Geliebte des Hauptes der Verbrecherbande auftreten. Bei der Zeichnung dieser Frauenfigur ist ein schon zu häufig gebrauchtes Klischee verwendet worden: Sie trägt die Züge der dem Leser einschlägiger Geschichten vertrauten Hochstaplerin, die aus dem Verbrechermilieu herausstrebt, wenn diese Wandlung sich auch erst ergibt, als sie sich in den Kunstprofessor verliebt hat. Hier sind Töne enthalten, die vermeidbar gewesen wären. Die Ereignisse um diese Frauenfigur sind etwas wirklichkeitsfern und vertragen sich eigentlich nicht mit dem so klaren Berichtsfilm, der die Überführung der mit allen modernen Mitteln vorgehenden Verbrecherbande durch die Polizei schildert, aus deren Werkstatt und von deren Methodik ein so interessanter, klarer Bericht gegeben wird.
Felix Henseleit: Falschmünzer
Film-Kurier, Nr. 273, 20.11.1940