
Ein Regisseur, ein Autor und ein Schauspieler suchen den Stoff für ihren ersten Film nach dem Krieg. Da begegnet ihnen ein junges Paar und sie hören seine Geschichte: Martin und Christine haben sich während des Krieges in Berlin kennen gelernt, er ist Antiquitätenhändler, der in feinen Kreisen verkehrt, sie eine Bauerntochter aus einfachen Verhältnissen, die als Dienstmädchen arbeitet. Sie verlieben sich, können aber wegen des Standesunterschieds nicht zusammen kommen. Nach dem Krieg ist die Situation umgekehrt: Martin hat alles verloren und kommt als Flüchtling zum Bauernhof von Christines Eltern, die in dieser Zeit zu den Wohlhabenden gehören. Wieder kommen Martin und Christine einander näher, aber als er bei ihrem Vater um ihre Hand anhält, lehnt dieser ab. Die Filmleute debattieren über einen passenden Schluss für diese Geschichte: tragisch oder als Happy-End? Dann kommen sie auf die Idee, einfach Martin und Christine zu fragen, wie die Geschichte wirklich ausgegangen ist.
A director, an author and an actor are looking for a topic for their first film after the war. Then they meet a young couple and listen to their story: Martin and Christine met during the war in
Dieser Film ist von der Art, für die in Deutschland die Begabungen von je nur spärlich vorhanden waren. Er sagt die Dinge leicht, elegant, mit einer freundlichen Ironie und wird doch nie platt dabei. Es ist ein Film aus unseren Tagen und kann daher an den Problemen unserer Tage nicht vorübergehen wie es wäre, wenn er sie verfälschte, wird mit köstlicher Ironie im Film selbst gezeigt , aber die Probleme werden mehr registriert, als daß sie mit sturem Ernst angesprochen und ausgewalzt werden. Der Zuhörer weiß ja ohnehin, wie schwer und bitter Heimkehrer-, Flüchtlings-, Ausgebombtenschicksale sind. Es zeigt sich, daß die Skizze wird sie so meisterhaft aus der Fülle des Wissens um das Gewicht der Dinge angelegt fester sich im Herz und Hirn einnisten kann als das mit allen Farben satt ausgeführte Bild.
Helmut Käutner ist der Autor des Drehbuchs, das Einfall um Einfall, Bild um Bild seine filmgewandte, psychologisch feinnervige Hand erkennen läßt. Wieder wie In jenen Tagen distanziert er sich durch eine Rahmenhandlung von der eigentlichen Fabel, verknüpft aber beide geschickt und witzig und entwickelt aus Distanzierung und Verknüpfung ein höchst reizvolles Spiel mit der Wirklichkeit der Fabel und ihrer immer wieder mißlingenden Umsetzung in eine Filmhandlung; die die drei Personen des Rahmens, ein Filmschauspieler, ein Autor und ein Regisseur, planen. Eine Fülle von Einfällen, satirischen Seitenhieben, witzigen Aperçus entsprühen diesem Gegeneinanderspiel. In ihr liegt das eigentliche Lustspiel, das das Filmtrio vergeblich zu schreiben sich müht. Denn an der Fabel der gedachten Wirklichkeit gleitet immer wieder trotz aller Bemühungen sie filmgerecht umzumodeln, der Lustspielversuch ab. Sie ist ein Schicksal aus dieser Zeit mit heiteren, komischen Lichtern, aber im Grunde ernst, zu ernst um in großen Worten aufgefangen zu werden. Hier zeigt Käutner eine fast philosophische Einsicht in den Zusammenhang, den Schein und das Sein der Dinge.
Spiel mit der Wirklichkeit Film ohne Titel
Neue Zeit (Berlin), 25.1.1948
Unsere Zeit hat einen fatalen Hang zum Feuilleton, auch Helmut Käutner, der diesen Film ersann und zusammen mit Ellen Fechner das Drehbuch schrieb, hat ihn. Er kokettiert mit der Trivialität des Stoffes, er schlägt einen feuilletonistischen Haken um ihn und verfällt ihm doch, ohne es zu wollen. Seine Feuilletons haben im Grunde keine Substanz, sie leuchten und funkeln nicht von innen heraus, sie sind auch nicht sehr originell, weil sie nachempfunden sind. Das alles soll nicht besagen, daß Käutner nicht auch diesen Film sehr geschickt angelegt hat, das soll nicht besagen, daß er nicht stellenweise amüsant und graziös plaudern kann. Aber es zeigt deutlich unsere ganze verfahrene deutsche Filmsituation, wenn einer unserer begabtesten Regisseure Feuilletons schreibt und sich in die romantische Ironie flüchtet, nur weil er kein Verhältnis zum Stoff mehr hat, und weil ihn das Mißtrauen der Realität gegenüber dazu verleitet, Kapriolen zu schlagen. Sie sind manchmal ein wenig eitel, nicht immer frei von kunstgewerblicher Verspieltheit, und sie verraten, daß der Autor dieses Filmes keinen Standpunkt hat. Er kennt sein Publikum, und es ist immer gefährlich, wenn man es so kennt wie Käutner. Um ihm gerecht zu werden, nimmt er alles, was am Wege liegt und sich anbietet.
Karl Walther Kluger: Film ohne Titel
Tagesspiegel, 25.1.1948
Charm is surely the last quality to be expected in a film which was not only made by Germans in post-war
It is not be it said at once a great film, but it is remarkable for having so many qualities which were never usual in even the best pre-war German films, and which it is almost miraculous to find in a post-war work. »Charm« is only one of those qualities: others are »good taste« and, rarer still, an almost total absence of that cloying self-pity which is so frequent and so distasteful an element (however comprehensible it may be) in the post-war German temperament.
The story is a very simple one: it is about a kindly
New Films in London