
Christine arbeitet als Verkäuferin im Bahnhofskiosk einer Kleinstadt und träumt von der großen Liebe, doch ihre Mutter hat bereits den kleinbürgerlichen Buchhalter Rudi Krummholz als Bräutigam für sie ausgewählt. Auch Christines Kollegin Anni hängt romantischen Träumen nach, aber ihren Verehrer Maximilian hat sie sich nur ausgedacht. Da erblickt Christine in einem vorbeifahrenden Zug einen Mann, dessen Blick sie fesselt. Da sie an das Schicksal glaubt, hält sie ihn für den Mann ihres Lebens. Als sie einen Blumenstrauß erhält und der Mann am Tag darauf aus dem Zug steigt, sich als Maler vorstellt und fragt, ob sie ihm Modell stehen könne, ist ihr Glück vollkommen. Sie verbringen einen zauberhaften Tag zusammen. Doch dann stellt sich heraus, dass er sie am Tag zuvor gar nicht gesehen hat, die Blumen nicht von ihm stammen und er sie wirklich nur malen wollte. Für Christine bricht eine Welt zusammen und sie flieht nach Hause. Dort wartet ihr Verlobter, den sie vorher endgültig abgewiesen hat, betrunken und voller Hass mit einer Pistole auf sie.
Christine, a shop girl in a kiosk at a train station in a small town, dreams of finding her true love. Her mother, however, has already picked out Rudi Krummholz, a witless accountant, to become her groom. Anni, Christine’s colleague, is also a dreamer and her lover Maximilian only exists in her dreams. Christine sees a man in a passing train, and is completely taken by him. Since she believes in fate, she thinks he must be the man of her dreams. The next day, when she gets a flower bouquet and the man gets off the train introducing himself as a painter who wants her to be his model, she is on cloud nine. After an enchanting day together, she realizes that he hadn’t been looking at her the day before and that the flowers were not from him. Indeed, he merely wanted to paint her. With her world falling apart, she flees home, only to find her fiancé, who she had recently turned down, waiting for her, drunken and full of hate with a pistol in his hand.
»Nach einer Erzählung ›Die Augen‹ von Franz Nagel soll hier ein Film gestaltet werden, der in gewisser Hinsicht einen neuen Aufriß in der Szenerie und in der Fototechnik bringen wird«, erzählt uns Pewas. »Vermieden werden soll und das möchte ich vorweg betonen gleisnerisches Gaukel- und Liebesspiel. Ich will gegen jegliche Verflachung energisch ansteuern; die Handlung selbst, die durch starkes und gesundes Empfinden ausgezeichnet ist, kommt mir bei meinen Bemühungen auch entgegen. Es gilt, die Wandlung eines jungen Menschen aufzuzeigen, der einer spießbürgerlichen Atmosphäre entrückt werden muß. Das Thema ist natürlich nicht ganz leicht. Winnie Markus als Christine wird die Hauptrolle spielen und Ernst Waldow ist der Buchhalter Krummholz, ein rechthaberischer Pedant, dessen voreilige Rechnung mit seiner Braut aber nicht aufgeht. Man darf andererseits nicht nur mit sturem Ernst an diese Aufgabe herangehen«, erzählt Pewas weiter. »Gewisse Dinge müssen spielerisch gelöst werden, aus innerer Heiterkeit heraus wird gearbeitet. Und bei aller Ernsthaftigkeit des Filmgeschehens heißt es für mich: nur kein Zwang! Dennoch bleibt der Spannungsgehalt.« [...]
»Was mir sehr am Herzen liegt, ist die Milieu-Schilderung, die keineswegs in den Hintergrund gestellt worden ist, denn Milieu heißt Leben und ich bekenne mich zu einer Lebenswahrheit auch im Film, denn das gehört mit zur echten Kunst. In diesem Film werden keine Schönlinge, sondern wirkliche Menschen gezeigt. Der verzauberte Tag soll nicht zerstreuen, sondern sammeln und anregen. Bei aller Behendigkeit und natürlichen Frische wird die ernste Linie nie verlorengehen. «
W. B.: Eine Rechnung, die nicht aufgeht
unbekannte Quelle, 10.12.1943
Schriftgutarchiv Deutsches Filminstitut (DIF), Frankfurt/Main und Wiesbaden
Wesentlich und beachtenswert an diesem Film ist nicht sein Inhalt, sondern die Tatsache, daß er fast stets die unverkennbaren Züge dichterischer Gestaltungskraft mit filmischen Mitteln, also den Mitteln des bewegten Bildes, an sich trägt. Auf die Aussage des Bildes kommt es ihm an und auf die Atmosphäre schaffende Aussage des Geräusches. Dieses filmische Können ist andererseits wohl auch nur dort möglich, wo die Umwelt mit den Augen eines Künstlers gesehen wird. Pewas scheut vor der Realistik des Alltags, vor dem Unangenehmen und Erbärmlichen nicht zurück, findet aber dahinter immer noch die Möglichkeit einer lyrischen, herb, aber innig anmutenden Aussage über das Leben. Mit dieser dichterischen Einstellung zum Leben eröffnen sich ihm von selbst zur Seele, hier zu den Herzen fast noch gegenstandslos liebender junger Mädchen, die Zugänge, die unseren bekannten Routiniers notwendig verschlossen sein und bleiben müssen. Der Schluß wirkt etwas unproblematisch aufgesetzt und der inneren Handlung nicht gemäß.
Bleibt die Bemerkung, daß der Film nirgends vernehmlich gegen Gottes Gebote verstößt, daß er uns vielmehr dankbar stimmen darf dafür, daß die Schönheit der Schöpfung auch in einer so furchtbar mißbrauchten Kunst wie im Film rein und erschütternd aufleuchten darf. Jugendliche ab 16 können den Wert des Filmes würdigen.
ck: Der verzauberte Tag
Evangelischer Film-Beobachter, Nr. 13, 2.7. 1951