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32. Internationaler Filmhistorischer Kongress

Dr. Seltsam Oder: Aus den Wolken kommt das Glück
Film zwischen Polit-Komödie und Gesellschafts-Satire



Chemie und Liebe
Chemie und Liebe (1947/48, Arthur Maria Rabenalt)
Quelle: DFF- Deutsches Filminsitut & Filmmuseum /© DEFA-Stiftung


Ankündigung


21.11. – 23.11.2019
im Gästehaus der Universität (Rothenbaumchaussee 34)

Eröffnung am 20.11.2019 um 19 Uhr im Metropolis-Kino (Kleine Theaterstraße 10) mit Verleihung der Willy Haas-Preise und Filmvorführung von HIN UND HER (AT 1947, Theo Lingen)

Film im Kraftfeld zwischen Politik, Kritik und Komik ist das Thema des XVI. cinefest. Zu erkunden ist die Spannweite eines unterhaltsamen Genres und die fließenden Grenzen zu Lustspiel und ernsthafter Auseinandersetzung.
»Was darf die Satire?« fragte Kurt Tucholsky und kam zu dem Ergebnis »Alles!«. Eine pauschale und provokative Antwort, die in der Filmgeschichte nicht immer galt. Dass diese Frage im Medium Film immer wieder gesellschaftlich und politisch verhandelt wurde, zeigen die Vorträge des 32. Internationalen Filmhistorischen Kongresses.
»Keine Angst vor Autoritäten« bewies der Autor des mehrfach verfilmten Romans »Der Maulkorb«. Michael Töteberg untersucht Satire im Nationalsozialismus anhand des Falls Heinrich Spoerl. Ebenfalls auf einer Literaturvorlage – diesmal von Heinrich Mann (1918) – basiert Wolfgang Staudtes Der Untertan – eine Satire auf den Mief des Kleinbürgertums der Wilhelminischen Ära. Karl Griep stellt eine »Vergleichende Betrachtung von Satire im Medienübergang« anhand von Roman und Film an. Theo Lingen zeigt in HIN UND HER (AT 1947) als Peter Vogel Einfallsreichtum im Kampf gegen die Bürokratie. Heike Klapdor spricht über »Den Künstler und die Lächerlichkeit der Autoritäten« in dem kaum bekannten Nachkriegsfilm mit und von Theo Lingen.
Dem Verhältnis von Politik, Film und Satire in den 1950er Jahren geht Sandra Nuy in ihrem Vortrag »Wer Sorgen hat, hat auch Likör« nach. Mit welchen Metaphern und Sinnbildern der Kalte Krieg Einzug in satirischen Filmen und Wochenschauen fand, wird von Sigrun Lehnert untersucht.
In der DDR polemisierten die Stacheltier-Kurzfilme gegen NATO und BRD oder boten durch (sanfte) Kritik an Missständen ein Ventil. F. B. Habel beschäftigt sich mit der Kurzfilm-Serie der DEFA und deren Bemühungen um das Lachen im Kino der 1950er Jahre. Dass im Sozialismus nicht alles geduldet wurde, zeigt Tereza Dvořáková anhand von satirischen Studentenfilmen der FAMU aus den 1970er und 1980er Jahren.
Einen selbstreflexiven Blick auf das Medium Film wirft das Panel zur Mediensatire. Werner Barg betrachtet »Medienkritik als politische Satire in BEING THERE (Hal Ashby, 1979) und WAG THE DOG (Barry Levinson, 1997)«, während sich Markus Kuhn mit »Robert Altmans The Player als satirische Abrechnung mit der Filmindustrie« beschäftigt.
Im Filmgeschäft ist die sprachliche Transformation ein wichtiger Faktor für die internationale Vermarktung. Insbesondere in der Satire ist der Sprachwitz elementarer Bestandteil. Der Herausforderung, diesen auch in Synchronfassungen zu erhalten, stellte sich Stanley Kubrick bei der Produktion von seiner Kalte-Kriegs-Satire DR. STRANGELOVE OR HOW I STOPPED WORRYING AND LOVE THE BOMB (GB/US 1964). Nils Daniel Peiler untersucht Kubricks akribische Verfahrensweise anhand der deutschen Synchronfassung DR. SELTSAM ODER WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN. Dass in ANIMAL FARM (GB 1951-54, John Halas, Joy Batchelor) viel mehr steckt als eine Animation in Technicolor, ist hinlänglich bekannt. Was auf den ersten Blick als »harmloser« Kinderfilm daherkommen mag, war politisch hoch brisant; Julian Petley spricht darüber, inwieweit die CIA in die Anti-Kommunismus-Satire involviert war.
Die politische und gesellschaftliche Situation hat sich seitdem stark verändert. Der Frage »Wie funktioniert Satire heute?« widmen sich die beiden abschließenden Vorträge. François Danckaert hinterfragt David Wnendts ER IST WIEDER DA (2014/15) als »Trendiger Hitler-Ulk oder politischer Weckruf?« und Judith Ellenbürger stellt mit Simmel und Diogenes einen Versuch über »Zynismus in der Finanzsatire« vor.

32. Internationaler Filmhistorischer Kongress
21. – 23.11.2019, Hamburg (Gästehaus der Universität, Rothenbaumchaussee 34)

Panel 1 / Keine Angst vor Autoritäten
Michael Töteberg, Hamburg: Ein Maulkorb für den Führer. Satire im »Dritten Reich«: Der Fall Heinrich Spoerl | Karl Griep, Berlin: Der Untertan – Roman und Film. Vergleichende Betrachtung von Satire im Medienübergang |
Heike Klapdor, Berlin: »Mein Schicksal ist romantisch«. Der Künstler und die Lächerlichkeit der Autoritäten. HIN UND HERr (AT 1947)

Panel 2 / Wirtschaftswunder und Kalter Krieg
Sandra Nuy, Siegen: »Wer Sorgen hat, hat auch Likör«. Zum Verhältnis von Politik, Film und Satire in den 1950er Jahren | Sigrun Lehnert, Hamburg: Genosse Münchhausen, Der Augenzeuge und der Kalte Krieg

Panel 3 / Satire im realen Sozialismus
F. B. Habel, Berlin: Positive Satire und die gegen den Klassenfeind – Die Bemühungen der DEFA-Kurzfilmreihe »Das Stacheltier« um das Lachen im Kino der 1950er Jahre | Tereza Dvořáková, Prag: Satire verboten! Satirische Studentenfilme der FAMU aus den 1970er und 1980er Jahren

Panel 4 / Mediensatire
Werner Barg, Halle: »Ich hab’s im Fernsehen gesehen« – Medienkritik als politische Satire in BEING THERE (Hal Ashby, 1979) und WAG THE DOGg (Barry Levinson, 1997) | Markus Kuhn, Kiel: »In Hollywood, it’s not who you know, it’s who you kill.« – Robert Altmans THE PLAYER als satirische Abrechnung mit der Filmindustrie

Panel 5 / Satire maskiert
Nils Daniel Peiler, Frankfurt/Main: »Dr. Merkwürdigliebe oder: Wie Stanley Kubrick lernte, die Synchronisation zu lieben« | Julian Petley, London: Animal Farm Subverted: Orwell and the CIA

Panel 6 / Satire Heute
François Danckaert, Straßburg / Mülhausen: Trendiger Hitler-Ulk oder politischer Weckruf? Bemerkungen zu David Wnendts ER IST WIEDER DA (2014/15) | Judith Ellenbürger, Hamburg: Mit den eigenen Waffen - Zynismus in der Finanzsatire. Ein Versuch mit Simmel und Diogenes


Die Vorträge sind auf ca. 20 Minuten angesetzt und werden anschließend im Plenum diskutiert. Die Konferenzsprachen sind Deutsch oder Englisch (es gibt keine Live-Übersetzung).

Weitere Informationen erhalten Sie unter kongress(at)cinegraph.de oder Tel.: 040-352194

Zur Vorbereitung auf Festival und Kongress fand vom 9.-12. Mai 2019 eine Sichtungsveranstaltung in Berlin statt.


Der 32. Internationale Filmhistorische Kongress ist integraler Bestandteil des XVI. cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes (16. – 24.11.). Er wird am Abend des 20.11.2019 im Metropolis-Kino eröffnet. Während der Veranstaltung werden auch die Willy Haas-Preise für eine bedeutende internationale Publikation (Buch und DVD) verliehen. Die Vorträge des Kongresses finden vom 21. – 23.11., jeweils von 9.30 – 16.00 Uhr, im Gästehaus der Universität statt. Referenten und Teilnehmer aus dem In- und Ausland vertiefen in Vorträgen und Diskussionen (Kongress-Sprachen: Deutsch oder Englisch) das Thema des Festivals in sechs thematisch abgestimmten Panels. Ab 17.00 Uhr laufen im Metropolis-Kino die Filmvorführungen, die die Vorträge ergänzen. Für die Teilnahme am Kongress ist eine vorherige Akkreditierung erforderlich. Die Vorträge des Kongresses werden in überarbeiteter Form in einem CineGraph Buch bei der edition text+kritik veröffentlicht.

Konzeption: Hans-Michael Bock, Swenja Schiemann, Erika Wottrich
Beratung: Petra Rauschenbach, Karl Griep, Heike Klapdor, Ralf Schenk, Jörg Schöning, Michael Töteberg
Organisation: Erika Wottrich
Coordination Bundesarchiv: Angela Abmeier
Technische Betreuung: George Riley

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an kongress(at)cinegraph.de

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